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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte Nr. 2 und Nr. 5

Kristian Bezuidenhout, Freiburger Barockorchester, Pablo Heras-Casado

harmonia mundi HMM 902411
(60 Min., 12/2017)

Wie spielen wir Beethoven? Die fünf Klavierkonzerte? Zum Beispiel spontan, jugendlich, mitreißend, so wie es Jan Lisiecki einspringender Weise mit der Academy of St Martin in the Fields gerade gelungen ist. Mit fünf Orchestern und Dirigenten, um sich nicht zu wiederholen, so wie es Rudolf Buchbinder gegenwärtig unternimmt. Oder als eingespieltes Team aus Südafrika, Spanien und Deutschland auf alten Instrumenten. So wie es jetzt als bewährte Combo Kristian Bezuidenhout sowie das Freiburger Barockorchester unter Pablo Heras-Casado in einer ersten Album-Tranche vorführen. Die umfasst das 2. und das 5. Konzert, im Mittelpunkt steht der Nachbau eines Hammerklaviers aus der Wiener Werkstatt von Conrad Graf aus dem Jahr 1824. Dabei setzt man natürlich ganz bewusst auf Unterschiede.
Im zweiten Konzert (trotzdem das älteste im Quintett) kommt selbstredend noch ein galanter, kammermusik-alerter Mozartton zum Tragen. Man konzertiert feinfühlig und empfindsam, dynamisch bleibt das ausgeglichen, es wird engmaschig phrasiert. Rhetorik wird großgeschrieben, scharf wirkt die Artikulation, knapp. Das ist hell ausgeleuchtet, vergrößert fast. Doch weil man sich gut kennt, kann man solche Kontraste ausloten. Mozart – ganz folgerichtig und modern weitergedacht.
Weiträumiger, großbögiger wird die Architektur im Konzert Nr. 5 begriffen. Das ist festlich, heroisch sogar, spreizt sich, wird zelebriert. Aber doch in einer intimen Nähe, in der alle sehr genau reagieren, der Fluss ein natürlicher bleibt. Da ist Bezuidenhout durchaus als romantisch sich entfaltender Solist zu spüren, obwohl der Gesamteindruck ein gleichberechtigter scheint. Der Hammerflügel stößt durchaus an Grenzen, aber das Orchester fängt sie vollkommen auf. Weil auch Pablo Heras-Casado genau weiß, wie man mit wenig viel Wirkung erzielt. Also: sehr zu empfehlen.

Matthias Siehler, 22.02.2020



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