home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image

Golden Age

Frederik Köster, Die Verwandlung

Traumton – Indigo/375 Media 05181442
(52 Min., 5/2019)

Schon das Eröffnungsstück „Fanfare – For The Right Reason” macht unmissverständlich klar, dass es sich bei Frederik Köster nicht um einen der typischen Trompeten-Schamanenbläser handelt, die schon seit einiger Zeit im europäischen Jazz den weltentrückten Ton angeben. Kösters Wurzeln liegen vielmehr bei Kraftpaketen wie Freddie Hubbard, Woody Shaw oder Randy Brecker.
Und von Letzterem hat sich der gebürtige Sauerländer auch einiges für die vierte Einspielung seines Quartetts „Die Verwandlung“ abgeschaut: etwa den Einsatz von elektronischen Verfremdungsmöglichkeiten. Oder das coole Agieren in stark rhythmisierten Jazzrock-Kontexten, die von Kösters Mitstreitern (Sebastian Sternal an Klavier und Rhodes, Joscha Oetz am Kontrabass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug) fabelhaft intensiv ausgestaltet werden.
Zwar hat das Quartett im Laufe seiner bislang vier Einspielungen noch nie so viel Gebrauch gemacht von Synthesizern und Effekten wie Echo oder Ringmodulator wie nun auf „Golden Age“. Dennoch liegt das entscheidende Merkmal der Aufnahme jenseits der Klanggestaltung. Es ist das virtuose Patchwork aus regional und historisch höchst disparaten Elementen, das dafür sorgt, dass man als Hörer ständig unter Strom steht.
Filigrane Jazzballaden wie „Cast Me From Your Spell“, die von „Fahrstuhl zum Schafott“-Zeitlosigkeit oder Kenny Wheelers Kompositionsdelikatesse künden, wechseln sich ab mit arabesken Song-Exkursionen, in denen Köster seine Trompete deftig keckern oder in Vierteltönen sprechen lässt. Und irgendwie hängt alles miteinander zusammen: der Geist Coltranes, der sich einem Zitat von „Pursuance“ aus der „Love Supreme“-Suite manifestiert, die krummen Takte der Levante, die Sounds der 1980er und 1990er oder auch die popjazzige Gedichtvertonung (zum Abschluss des Albums singt Köster zuerst sanft William Blake und sticht einem dann mit einem langgezogenen spitzen Trompetenton zu Beginn seines Solos mitten ins Herz).
Angesichts der ständigen organischen Verwandlungsfähigkeit, die das Quartett auf „Golden Age“ zeigt, kann man nur sagen: Die Truppe trägt ihren Namen vollkommen zu Recht.

Josef Engels, 15.02.2020



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top