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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 13 „Babi Yar“

Alexey Tikhomirov, Chicago Symphony Orchestra, Männerchor des Chicago Symphony Chorus, Riccardo Muti

CSOR/harmonia mundi CSOR 9011901
(68 Min., 9/2018)

Dass Riccardo Muti und sein Chicago Symphony Orchestra auch bei der russischen Moderne einzigartig brillant und doch fernab aller Oberflächeneffekte auftrumpfen können, haben sie gerade erst beim einzigen Deutschland-Gastspiel in Köln mit einem reinen Prokofjew-Programm bewiesen. Nach diesem Live-Ereignis war einmal mehr geklärt, dass das beste US-Orchester weiterhin in Chicago sitzt. Aus der lokalen Orchestra Hall stammt nun auch der Mitschnitt eines Konzerts, bei dem der italienische Triumphator mit der 13. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch nicht nur eine der aufwühlendsten Partituren des Russen dirigiert hat. Tatsächlich war es Muti, der 1970 in Rom ihre westeuropäische Erstaufführung geleitet hatte. Die Bass-Partie sang damals Ruggero Raimondi. Bei der bis zum Bersten spannungsgeladenen, so erschütternden wie beklemmenden Aufführung in Chicago ist es jetzt der russische Bass Alexey Tikhomirov, der zusammen mit dem Männerchor des Orchesters das Schicksalstrunkene dieser Partitur in all seinen dunkelsten und abgründigsten Nuancen schonungslos darlegt. Muti sorgt in diesem Mahnmal für die 34.000, von der SS 1941 im ukrainischen Babi Yar ermoderten Juden darüber hinaus auch mit dem CSO immer wieder für Momente eisiger Kälte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Das Groteske, das ebenfalls in den Knochen dieser Musik steckt, lässt Muti urgewaltig, aggressiv und mit einer Präzision herausschleudern, bei der Virtuosität und Ausdrucksintensität deckungsgleich sind. Schostakowitsch soll einst und dank eines ihm zugespielten Tonbandmitschnitts von der römischen Erstaufführung der Dreizehnten gerührt gewesen sein. Jetzt wäre er von der Aufzeichnung aus Chicago unter Garantie zutiefst bewegt.

Guido Fischer, 08.02.2020



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