Was für ein herrlicher Operettenblödsinn! Nein, die Rede ist nicht von den „Perlen der Kleopatra“, die gegenwärtig die Berliner Komische Oper regelmäßig in nostalgisch-funkelnden Entertainment-Taumel versetzen und mit denen Leo Fall der damaligen Tutanchamun-Ägyptenmode huldigte. Sondern vom eigentlichen Fall-Hauptwerk, der leider weitgehend von den Bühnen verschwundenen „Dollarprinzessin“, die sich mit Biss und Schmiss schon von den anfänglich tippenden „Schreibmaschinenmädels“ an durchs Unterhaltungsgewerbe walzerwiegt. In einem der ersten Stücke der „Silbernen Operettenära“ thematisierten die gewieften Librettisten Alfred Maria Willner und Fritz Grünbaum in diesem 1907 am Theater an der Wien uraufgeführten Hit über eine vorgeblich blasiert-kaltherzige Millionärserbin, eben die „Dollarprinzessin“, die „ärmste Schöne der Welt“, den Clash of Cultures zwischen Donau und Hudson, Europa und Amerika. Was dann freilich erst zwei Jahrzehnte später von jüngeren Komponisten in Klanggestalt von Foxtrott, Shimmy und Charleston auch musikalisch aufgenommen wurde. Bis heute gab es keine offizielle Gesamteinspielung des witzigen Werkes. Dem ist jetzt mit dem bereits sieben Jahre alten Münchner Sonntagskonzert-Mitschnitt des operettenaffinen Labels cpo in der bewährten Zusammenarbeit mit Ulf Schirmer abgeholfen worden. Wieder ist hier, oft war es zum Nachteil, ein mehrheitlich operngestähltes Ensemble am Singwerk. Das könnte leichter, frivoler, chansonhafter klingen, hat aber was: Denn alle amüsieren sich hörbar. Seidig klingt der Sound, und Wagnerröhre Christiane Libor ist Alice, „ein echtes Selfmade-Mädel von echter Yankeerass“, das „Wigl wagl wigl wak my monkey“ gurrt. Angela Mehling gibt die „Olga von der Wolga“, auch die Männer singen wohlgeraten, und am Ende tanzen alle Ringelreihen und machen „Ratatata tatatatata tschin“.

Matthias Siehler, 18.01.2020



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