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Jean-Philippe Rameau, Jean-Baptiste Lully, Robert De Visée, François Couperin u. a.

Versailles (Klavierstücke)

Alexandre Tharaud, Sabine Devieilhe, Justin Taylor

Erato/Warner 9029538642
(78 Min., 1–3/2019)

Eigentlich hatte sich Alexandre Tharaud geschworen, sich nie zu wiederholen. Schließlich ist das Klavierrepertoire viel zu vielfältig. So ignorierte er standhaft alle Verlockungen des Marktes und Anfragen auch seines früheren Labels, seinen überraschenden Verkaufschlagern mit französischer Barockmusik einen zweiten Teil folgen zu lassen. Knapp 20 Jahre nach seinem aufsehenerregenden Album mit Piècen von Jean-Philippe Rameau ist Tharaud jetzt aber doch schwach geworden und hat sich einmal mehr der höchsten Clavecinisten-Kunst gewidmet. Wobei er selbst bei der Zusammenstellung dieses allerfeinsten Programm-Bouquets an Variationen, Tanzsätzen und für Cembalo bearbeiteten Opernfiletstücken zum Wiederholungstäter geworden ist. Von Rameau, aber auch von François Couperin finden sich da Kabinettstücke und Klangstimmungsbilder wie „Les Ombres errantes“, die Tharaud bereits auf seinen Porträtalben dieser beiden Granden präsentiert hatte. Doch erneut überwältigt er hier mit seinem unvermindert auf Natürlichkeit und Sinnlichkeit abonnierten Spiel.
Diese Qualität spiegelt sich im Grunde in jedem Stück dieses erlesenen Klangbogens wider, der von Jean-Baptiste Lully bis Jean-Henry DʼAnglebert und von Joseph-Nicolas-Pancrace Royer bis Jacques Duphly reicht. Robust rhythmisch geht es da zur Sache. Dann wieder bringt Tharaud diese Kunstwerke auf seinem Flügel derart von innen zum Leuchten, dass man sich gar nicht vorstellen kann, sie je wieder auf einem Cembalo hören zu wollen. Weil Tharaud aber auch seine Passion für diese Musik mit Kollegen teilen wollte, hat er gleich zwei Kenner dieser Epoche eingeladen. Mit Justin Taylor hat er eine vierhändige Fassung von Rameaus berühmten „Les Sauvages“ eingespielt. Mit der Sopranistin Sabine Devieilhe verwandelt er hingegen die Rameau-Arie „Viens, Hymen“ in ein schon fast zeitlos schönes Chanson. Wie gut, dass Tharaud insgeheim über all die Jahre und Jahrzehnte nicht von dieser Musik losgekommen ist.

Guido Fischer, 04.01.2020



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