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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Sound Of Silence

Miloš Karadaglić, Jess Gillam, Manu Delago, 12 ensemble, Katherine Tinker, John Metcalfe

Decca/Universal 779637
(44 Min., 9/2018–5/2019)

Zwei Jahre war der Miloš krank, jetzt zupft er wieder, Gott sei Dank! Ja, die Invaliditätsgeschichte des nur mehr unter seinem Vornamen laufenden montenegrinischen Gitarristen Miloš (Karadaglić) ist unbedingt Teil des – wie der PR-Stratege heute sagt – Narrativs für dessen viertes Studioalbum. Denn der stille Star, der vor allem im Crossover-affinen Großbritannien und dort ganz besonders als Frauenschwarm gehandelt wird, musste lange Zeit wegen einer Armentzündung aussetzen. Und jetzt ist er wieder da, natürlich nachdenklicher, melancholischer, geläutert. Die ewige Sommerbrise auf der Optik seiner letzten Alben ist gedeckten Herbstfarben gewichen. Und selbstredend lautet der Titel entsprechend: „Sound Of Silence“. Die Zielgruppe wird diese nicht unoriginelle Mischung aus Simon & Garfunkel, Francisco Tárrega, Radiohead und Manuel de Falla, Dido, Leonard Cohen und José Luis Merlin mögen. Die Scheibe aus Pop und spanischer Gitarrenliteratur ist fein arrangiert, sehr gut aufeinander abgestimmt, einige kommende Decca-Stars wie die Saxofonistin Jess Gillam treten als Gastkünstler auf. Doch der Purist wird bemängeln, dass so nach dem Beatles-Album „Blackbird“ schon wieder ein eher poppiges Miloš-Produkt kommt. Klar, die Firma will zwei Jahre Ausfälle ausgleichen. Aber für den Künstler wäre eine Sammlung klassischer (oder zeitgenössischer!) Werke notwendiger gewesen. So gerät Miloš in zu seichtes Fahrwasser, weil sich hier alles gleich loungig als ambient sound für die Hintergrundberieselung verwenden lässt. Arg kurz geraten ist die Platte zudem. Geht hier etwa ein seriöser Künstler über den Regenbogen des Wohlgefälligen, wie es der letzte Harold-Arlen-Titel nahelegt? Wär schade drum. Denn der Interpret Miloš hätte mehr auszudrücken.

Matthias Siehler, 28.12.2019



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