Responsive image
Olivier Messiaen

L’Acension, Le Tombeau Resplendissant, Les Offrandes Oubliées, Un Sourire

Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi

Alpha/Note 1 ALP548
(65 Min., 1/2019, 4/2019)

22 Jahre alt war Olivier Messiaen, als er sich 1930 mit der Sinfonischen Meditation „Les Offrandes Oubliées“ an sein erstes Orchesterwerk setzte. Um die Sünde in einer gottlosen Welt dreht sich dieses dreiteilige Stück, das in ein von wundersamen Streicherkantilenen beseelten Teilstück „Abendmahl“ mündet. Mit diesem Werk meldete sich nicht allein der streng gläubige Orchesterkomponist erstmals zu Wort. Die jetzt von Paavo Järvi und dem Tonhalle-Orchester Zürich regelrecht kulinarisch angegangene, prallvolle Klangfarbenpalette, die auch noch von mächtig strammen Rhythmen unterfüttert wird, verdankt sich eindeutig dem Einfluss von Paul Dukas.
Kurz zuvor hatte Messiaen sein Kompositionsstudium bei diesem Co-Vater der modernen französischen Orchesterkunst beendet. Und Järvi lässt bei seinem CD-Debüt als neuer Chefdirigent des Züricher Orchesters die Musiker derart aufdrehen, dass man in „Les Offrandes Oubliées“ glatt Dukasʼ „Zauberlehrling“ herumwirbeln zu hören glaubt. Mit Schmiss und ungebremster Lust am fulminanten Orchesterleuchten hat dieses neue Team aber gleichermaßen das theologisch aufgeladene wie klangsinnliche Orchestertableau „LʼAscension“ angegangen, das den krönenden Abschluss dieses von der ersten bis zur letzten Note fesselnden Messiaen-Porträts bildet. Insgesamt vier Orchesterwerke hat man dafür zusammengestellt. Wobei „Le Tombeau Resplendissant“ (1931) das unbekannteste und die subtile Mozart-Hommage „Un Sourire“ von 1989 das späteste Orchesterwerk dieses großen Erneuerers der Moderne ist. Bei Järvi und Co. sitzt wirklich alles – ob bei der bis in die hintersten Orchesterwinkel hörbar gemachten Totalen oder beim sanft dahingleitenden Streicherunisono als Ausdruck des Himmlischen.

Guido Fischer, 14.12.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Was erlauben Patricia Kopatchinskaja? Mit Vivaldi hat dieses Album jedenfalls herzlich wenig zu tun, zumindest mit jenem barocken Konzertvielschreiber- und Vier-Jahres-Zeiten-Vivaldi, dessen Klangsprache man mittlerweile doch recht gut zu kennen glaubt. Zwar spielt die exzentrische, das Risiko liebende, nie Gewöhnliches abliefernde Geigerin auf „Whatʼs next, Vivaldi?“ offiziell dessen Solokonzerte – doch wie bitte tut sie das!? Die Tempi sind aberwitzig schnell, als ginge es um Rekorde. […] mehr »


Top