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Hector Berlioz

Symphonie fantastique, „Les Francs-juges“

Franҫois-Xavier Roth, Les Siècles

harmonia mundi HMM 902644
(66 Min., 7/2019)

Das Berlioz-Jahr 2019 (150. Todestag) hatten Franҫois-Xavier Roth und sein Originalklang-Ensemble Les Siècles mit den beiden Instrumental- und Vokalklassikern „Harold en Italie“ sowie „Les nuits d'été“ ziemlich furios eingeläutet. Jetzt, zum Ende hin, legt man noch rasch mit Berliozʼ ultimativem Orchesterschlager „Symphonie fantastique“ nach. Wieder spielt man zumeist auf Instrumenten der Entstehungszeit – was man dem unglaublich kultiviert daherkommenden Gesamtklang so gar nicht anhört. Und erneut verzichtet Roth im Vergleich zu gleichgesinnten Originalklang-Fans, wie Landsmann und Kollege Marc Minkowski, auf übergrelles Ausleuchten und überkonturierte Schnittigkeit, um das revolutionäre Phänomen Berlioz und seinen Sonderstatus nicht nur in der französischen Musik zu betonen. Bei Roth ergibt sich die Bewunderung, auch für die bahnbrechende Koloristik, mit der Berlioz sein Werk regelrecht überflutet hat, wie von selbst. Alles sitzt perfekt – aber eben nicht, wie unter den historischen Aufführungspraktikern oftmals zu erleben, so hauteng, dass der Musik die Luft abgeschnürt wird. Bei Les Siècles ist feinste Eleganz der Trumpf. Wobei man zum Beispiel in der „Ball“-Szene immer wieder kleine, so noch nie gehörte Streicherglissandi als Ausdruck neckischer Liebesseufzer einstreut. Aus dem geheimnisvollen Bläser-Intro des dritten Satzes lässt Roth dann in aller Seelenruhe eine Zauberlandschaft voller Schönheit und Magie entstehen. Und der Funkenschlag im Orchesterkessel (4. Satz) entlädt sich schließlich im Finale nicht nur umwerfend grotesk, diabolisch, fratzengleich. Als besonderer Clou erklingen doch tatsächlich Kirchenglocken, die man in Berliozʼ Geburtsort La Côte-Saint-André aufgenommen hat. Und als Bonus gibtʼs dann noch die Ouvertüre zur Jugendoper „Les Francs-Juges“ obendrauf.

Guido Fischer, 07.12.2019



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