Responsive image

3

Sommerplatte

recordJet/Edel 1091014REJ
(39 Min., 9/2018)

Wer in den vergangenen zwanzig Jahren Fernsehen geschaut oder Radio gehört hat, kennt diese Herren. Denn die Mitglieder der Kölner Band Sommerplatte zählen zu der Creme der deutschen Studio- und Live-Musiker, auf deren Dienste unter anderem Stefan Raab, Max Mutzke, Gregor Meyle und kürzlich auch Thomas Gottschalk für seine „Große 80er Show“ zurückgreifen.
Zum dritten Mal haben sich Gitarrist Hanno Busch, Keyboarder Tobias Philippen, Bassist Claus Fischer und Schlagzeuger Florian Bungardt nun im Studio zusammengefunden, um ohne Dienstleistungsdruck ihre eigenen musikalischen Vorstellungen zu realisieren.
Die mögen zwar weitestgehend im Fusionjazz zu verorten sein, aber von den Angebereien und virtuosen Muskelspielen des Genres wollen die vier nichts wissen. In ihren Stücken, die keine Titel tragen, sondern durchlaufend nummeriert sind, stellen sie vielmehr instrumentale Versuchsanordnungen auf. Da prallt in „Track 19“ etwa eine nach Pat Metheny klingende Gitarre auf ein wie in einer zen-buddhistischen Versenkungsübung angeschlagenes A vom Klavier, um sich dann im Laufe des Stücks in kontrollierte Rockekstase aufzulösen.
„Track 21“, der mit vielen Pausen und überraschenden Themenfragment-Einsätzen beginnt, verwandelt sich nach und nach von einer NuSoul-Fingerübung in eine Kaskade sich überlagernder Zirkelmelodien von Gitarre, Bass und Keyboard. Wer über so viel Spielerfahrung wie das Quartett verfügt, der kann natürlich eine Vielzahl von Genres im Nebenbei bedienen. Der Progrock von Yes (in „Track 23“) scheint da genauso auf wie lupenreiner Pop (in „Track 22“), ein Vocoder summt hypnotisch wie ein freundlicher Roboter, und auch für eine Spoken-Word-Einlage des Schriftstellers und Sängers Peter Licht ist Platz.
Dennoch wirkt das alles nie zufällig oder beliebig, sondern genauso punktgenau wie Fischers sonore Linien auf dem 5-Saiter-Bass oder Buschs flexible Gitarrenmotive. Vielleicht ist das auch der Hintergrund des eigenartigen Bandnamens: Sommerplatte vereinigt sorgfältig angerichtete Horsd’œuvres, die auf der Grundlage von bekömmlichem Kammerjazzrock gereicht werden.

Josef Engels, 23.11.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Was erlauben Patricia Kopatchinskaja? Mit Vivaldi hat dieses Album jedenfalls herzlich wenig zu tun, zumindest mit jenem barocken Konzertvielschreiber- und Vier-Jahres-Zeiten-Vivaldi, dessen Klangsprache man mittlerweile doch recht gut zu kennen glaubt. Zwar spielt die exzentrische, das Risiko liebende, nie Gewöhnliches abliefernde Geigerin auf „Whatʼs next, Vivaldi?“ offiziell dessen Solokonzerte – doch wie bitte tut sie das!? Die Tempi sind aberwitzig schnell, als ginge es um Rekorde. […] mehr »


Top