Responsive image
Diverse

Lieder der Heimat

Regula Mühlemann, Tatiana Korsunskaya

Sony 19075983042
(68 Min., 7 & 8/2019)

Sie könnte wohl auch aus dem Telefonbuch singen, man würde ihre Stimme trotzdem lieben: Noch nicht einmal Mitte zwanzig ist die in Luzern ausgebildete Sopranistin Regula Mühlemann, und schon befindet sie sich – mit vollem Recht – am Beginn einer großen Karriere. Mit „Liedern der Heimat“, auf dem Cover zünftig repräsentiert durch einen frech stilisierten Heidi-Look, präsentiert sie uns nicht nur, aber auch Klavierlieder von weitgehend unbekannten Schweizer Komponisten. Eine einzige Miniatur von Othmar Schoeck hat sich hineingeschlichen, ansonsten staunen wir über Richard Flury, Wilhelm Baumgartner, Friedrich Niggli und einige andere, die uns bisher niemals begegnet waren. Die Archiv-Schätze machen eigentlich den wesentlichen Reiz dieses Rezitals aus, denn Mühlemann präsentiert ihre Entdeckungen mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit und dazu mit einem Finish, als gehörten sie seit jeher zum Standard-Repertoire einer Gesangsausbildung. „Ja, kennst Du das nicht?“ scheint sie augenzwinkernd zu fragen. Ihr glockenheller, schlank und mit faszinierender Mühelosigkeit geführter Sopran wird wieder und wieder beseelt durch Mühlemanns ganz eigene Art des Umgangs mit dem Text: Tatsächlich scheint sie zu erzählen. Sie zelebriert nicht, sondern sie spricht mit einem hohen Maß an Authentizität zum Hörer, unverstaubt, jugendfrisch bis neckisch und hochpoetisch. Immer ganz konzentriert bei ihr ist ihre Begleiterin Tatiana Korsunskaya, die stets mit ihr am selben Strang zieht. Wie oft war das Lied als solches schon für tot erklärt werden? Wenn solche Künstlerpersönlichkeiten sich seiner annehmen, wird es niemals vergehen.

Michael Wersin, 23.11.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Aus Licht geboren: Wenn die längsten Nächte des Jahres wieder anstehen, haben die Menschen zugleich die meiste Kontrolle darüber, wie sie ihr Tagewerk oder ihren Feierabend ausleuchten wollen, hell oder dämmrig, elektrisch oder mit Kerzen, Kalt- oder Warmweiß. Die christlichen Lichtbräuche, die mit der nun beginnenden Adventszeit einhergehen, wie das zunehmende Kerzenlicht des Adventskranz, haben ihren Ursprung im viel älteren heidnischen Mythos des Sonnenhelden, der zur Sonnenwende die […] mehr »


Top