home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image

Dancing Wittgenstein

Jazzrausch Bigband

ACT/Edel 1090472ACT
(49 Min.)

Man wartet die ganze Zeit darauf. Und am Ende des Album-Einstiegs ist es dann so weit: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“, rezitiert die Sängerin und Diseuse Patricia Römer auf Englisch Ludwig Wittgensteins Satz aus der Top-Ten der sprachphilosophischen Weisheiten.
Wie gut, dass das für die Münchner Jazzrausch Bigband nicht gilt. Denn man kann sehr wohl über ihre Musik auf „Dancing Wittgenstein“ reden. Schließlich kennt man das alles schon sehr gut. Aus den 1990er Jahren, als sich unzählige Bands und Projekte aufmachten, den Jazz mit der Clubszene zu versöhnen. Ob NoJazz, re:jazz oder Jaga Jazzist – schon damals war es Mode, das Genre im Namen zu tragen.
Was ist nun neu bei der süddeutschen Großformation außer der Tatsache, dass sie wahrscheinlich die einzige Bigband weltweit ist, die als „Artist in Residence“ regelmäßig in einem Techno-Club auftritt? Es ist vielleicht die gnadenlose Konsequenz, mit der die 40 Musikerinnen und Musiker die Baupläne und Erregungsformeln des Techno aufs Bigband-Format übertragen.
In den Kompositionen des Gitarristen Leonhard Kuhn, der nicht zufällig auch diplomierter Mathematiker ist, emulieren die Bläser mit ihren präzise gesetzten Staccati Synth-Fanfaren. Und auch das typisch Maschinelle des allmählich aufwallenden 16tel-Geprassels aus seligen Rave-Tagen fehlt nicht.
Stilistisch gibt sich das von dem Posaunisten Roman Sladek gegründete Ensemble, das parallel zu „Dancing Wittgenstein“ auch eine Weihnachts-CD mit klassischem Bigband-Jazz herausbringt, weniger orthodox. Die stets mit Gesang oder Rezitationen arbeitenden Nummern bedienen sich bei französischer Disco-Musik à la Daft Punk („La système planétaire“), James Brown und Maceo Parker („I Want To Be A Banana“) oder Düster-Pop aus den 1980er Jahren („Continuous Dirichlet“).
Allerdings sei nicht verschwiegen, dass die repetitiven rhythmischen Muster auf Dauer doch einigermaßen ermüdend wirken. Wahrscheinlich muss man die unentwegt tourende Bigband live erleben, damit sich der versprochene Rausch einstellt. Da wir noch auf keinem Konzert der Münchner waren, halten wir es aber mit Wittgenstein: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

Josef Engels, 16.11.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top