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Ernst von Dohnányi

Klavierquintette, Streichquartett Nr. 2

Takács Quartet, Marc-André Hamelin

Hyperion/Note 1 CDA68238
(81 Min., 8/2018)

Ernst von Dohnányi ist im ungarischen Komponisten-Dreigestirn mit Zoltán Kodály und Béla Bartók zweifellos am konservativsten geblieben. Während die beiden letzteren sich nach gemeinsamen Studienjahren engagiert auf die Suche nach der echten Volksmusik ihrer Heimat gemacht und diese dann höchst kreativ in ihr kompositorisches Werk integriert haben, hat sich Dohnányi, wenn er mal Folkloristisches verwendete, ganz wie vor ihm Liszt oder Brahms bei der Pseudo-Folklore, dem „Verbunko“ bedient. Mit seiner Tonsprache blieb Dohnányi prinzipiell recht nahe bei Brahms, der ihn in jungen Jahren ermutigt und gelobt hatte. Akzeptiert man all dies, dann kann man Dohnányis Musik auch heute noch durchaus gern mögen: Sein spätromantisches Idiom, das vor allem im ersten Klavierquintett (das Brahms sehr schätzte) in reinster Form zu Tage tritt, ist süffig und leidenschaftlich in der Harmonik, insgesamt ist Dohnányis Satzart meisterhaft. Wo das Klavier beteiligt ist, prägt eindrucksvolle Virtuosität dessen Part – Dohnányi galt als einer der ganz großen Pianisten seiner Zeit.
Ein gefundenes Fressen also für den coolen Super-Techniker Marc-André Hamelin, der in beiden Klavierquintetten die ihm eigene Brillanz entfaltet, meistens mit jener hohen Sensibilität für die horizontalen Verläufe im vielschichtigen Satz, die sein Spiel in der Regel auszeichnet. Manchmal, so etwa an den Höhepunkten des ersten Satzes im c-Moll-Quintett, allerdings auch beinahe ein wenig zu vorlaut. Demgegenüber präsentiert sich das Takács Quartet vor allem mit hemmungslos vibratoreichem Spiel, das selbst im Piano oft nicht zur Ruhe gelangt und in solchen Momenten fast zur Karikatur der Romantik-Tümelei verkommt. Etwas mehr Geradlinigkeit hätte der Musik als solcher und auch dem Ensembleklang der Streicher, der oft nicht sehr homogen daherkommt, zweifellos gut getan.

Michael Wersin, 16.11.2019



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