Dass der französische Pianist Lucas Debargue die nötige Gelenkigkeit in den Fingern für die knackig-kurzen, aber anspruchsvollen Cembalo- bzw. Klaviersonaten von Domenico Scarlatti besitzt, konnte er bereits 2015 auf seinem Debüt-Album zeigen. Allein die Tonrepetitionskaskaden kamen bei ihm schon irrwitzig punktgenau, dabei mit ansteckendem Feuer daher. Wie Debargue jetzt im Booklet zu seiner Scarlatti-Box erzählt, keimte in ihm schon damals der Wunsch, sich etwas ausführlicher mit dem Werk des Sonaten-Vielschreibers zu beschäftigen. Von den 555 Sonaten Scarlattis hat er jetzt immerhin 52 ausgewählt und in einem Rutsch aufgenommen. Wobei gleich auch zehn Sonaten zum ersten Mal seit der Kompletteinspielung von Cembalist Scott Ross wieder auf Tonträger zu hören sind. Debargue jedenfalls erweist sich einmal mehr in absoluter Höchstform, was Drive, Plastizität und die Anschlagskultur mit ihren unzähligen Klangabstufungen angeht. Statt dabei diesen Sonatenkosmos auch musikhistorisch zu deuten, indem er ihn – wie einst Christian Zacharias – etwa mit Mozarts Geist kurzschließt, nimmt Debargue jede Sonate als kleines, in sich geschlossenes, einzigartiges, mal delikates, mal ausgelassen sportliches und dann wieder zauberhaft poetisches Wunderwerk. Es macht einfach gewinnbringend Freude, diesem tollen Pianisten zuzuhören.
Guido Fischer, 26.10.2019
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