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Piotr Tschaikowski

„None But The Lonely Heart“ (Violinkonzert op. 35 und Violin-Arrangements)

Daniel Lozakovich, Stanislav Soloviev, National Philharmonic Orchestra of Russia, Vladimir Spivakov

DG/Universal 4836086
(76 Min., 4/2019)

In edlem Tiefdruck, pappmattiert präsentiert sich die Deutsche Grammophon beim schwedischen Geiger Daniel Lozakovich. In dem 18-Jährigen, der fürs Cover am offenen Meer posiert, hat man einen guten Botschafter für die neue Anti-Hochglanz-Politik gefunden. Zwar begibt sich Lozakovich mit Tschaikowskis Violinkonzert direkt in die Höhle des Geigen-Löwen. Der unpathetisch schmelzende, zart kolorierende und besinnlich räsonierende Salon-Ton jedoch meidet alles Titanische. Fein und auf leisen Sohlen zieht Lozakovich seine Bahn. Gefährdet, abgründig oder gar tragisch aufgerieben klingt das nie. Sondern wie die sympathische Antwort auf die Frage: ‚Geht’s nicht auch eine Nummer kleiner?!’
Schon der Titel „None But The Lonely Heart“ („Nur wer die Sehnsucht kennt“, nach Goethes „Wilhelm Meister“) schlägt vertrauliche, intime Töne an. Die Begleitung durch Vladimir Spivakov (unter dessen Leitung Lozakovichs Karriere mit neun Jahren begann) bleibt defensiv auszierend und kammerhaft.
Die Bearbeitungen von Leopold Auer, Mischa Elman, Ivry Gitlis und Alexander Glasunow entbehren nicht eigener historischer Bedeutung. Der süffige, wie helle Brokatspitze glitzernde Ton Lozakovichs sorgt für große Delikatesse – und verrät nichts vom jugendlichen Alter eines Solisten, der sich für historische Vorgänger hörbar interessiert.
Ganz klar, dass man dieses außerordentliche Talent im Auge behalten muss! – das gilt nicht für alles, was die DG derzeit pusht. Ob sich Lozakovich als ‚Trifonov der Geige’ etablieren kann, hängt auch vom Management und von der Frage ab, wie unbedrängt jemand reifen darf. Wenn die CD keine allerhöchste Punktzahl erhält, so liegt das nur an der erdrückenden Konkurrenz. Lozakovich selbst ist großartig.

Robert Fraunholzer, 19.10.2019



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