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Jazzstones Trio Plays The Rolling Stones

Stefan Heidtmann, Markus Braun, Marcel Wasserfuhr

RecordJet/Edel 1000031REJ
(48 Min., 4/2019)

Vielleicht liegt es an ihrem Image als wettergegerbte Jungs, vielleicht an der Natur ihrer Stücke: Sicher ist jedenfalls, dass Jazz-Bearbeitungen von Songs der Rolling Stones bislang Mangelware waren. 1966 nahm der Gitarrist Joe Pass eine doch ziemlich nach Easy Listening klingende Platte auf, in den Jahren 2005 und 2008 folgte Tim Ries, Toursaxofonist von Mick & Co., mit seinem illuster besetzten „Rolling Stones Project“.
Während ihre Vorgänger üppige Besetzungen wählten, geht das rheinische Jazzstones Trio mit dem Pianisten Stefan Heidtmann, dem Bassisten Markus Braun und dem Schlagzeuger Marcel Wasserfuhr nun den entgegengesetzten Weg. Sie übersetzen Klassiker wie „Ruby Tuesday“, „Angie“, „Under My Thumb“ oder „Sympathy For The Devil“ ins Piano-Trio-Format europäischen Einschlags.
Klingt einfach, ist aber eine enorme Herausforderung. Denn wenn man die Stones-Lieder allzu erkennbar präsentiert, drohen die Versionen bei dieser Besetzung und nobel zurückhaltenden Spielhaltung schnell zu Muzak für die Hotellobby zu werden.
Diesen Fehler begehen Heidtmann und seine Mitstreiter nicht. Nur einmal, bei „Paint It Black“, lassen sie sich dazu hinreißen, Strophe und Melodie deutlich anklingen zu lassen. Auf dem Rest des Albums, das durch zwei Eigenkompositionen des Pianisten komplettiert wird, macht sich das Trio schon fast einen Spaß daraus, die Stones-Songs als Rätselspiel aufzuziehen.
Da werden sorgfältig kleine Motive aus den Originalen herauspräpariert, um sie als ostinate Figuren ihre hypnotisierenden Kreise im Geiste von E.S.T., Tingvall oder Herbie Hancock drehen zu lassen. Hier rollen keine Steine, hier werden vielmehr vorsichtig Kiesel im Zen-Garten des Jazz bewegt.
Da mal ein gestrichener Bass wie im Original „Ruby Tuesday“, da mal ein Gesangslinien-Zitat in einem Solo: Man muss sehr genau hinhören, um die Bezüge zu den Stones zu entdecken. Im Falle von „Sympathy For The Devil”, das im Souljazzgewand daherkommt, und „Angie“, das zunächst düster modal fließt, um dann mit einem Samba-Teil zu überraschen, hilft noch nicht mal das. Da sind die Vorlagen praktisch nicht mehr zu erkennen. Was offen gestanden nicht so ganz der Sinn der Sache ist.
Dennoch: Sollte der Stones-Drummer und erklärte Jazz-Fan Charlie Watts nach der gerade beendeten dreijährigen „No Filter Tour“ niveauvolle Entspannungsmusik zum Herunterkommen brauchen – hier wird er fündig.

Josef Engels, 21.09.2019



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