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Philippe Manoury

Le temps, mode d´emploi

GrauSchumacher Piano Duo, SWR Experimentalstudio

NEOS/harmonia mundi NEOS11802
(58 Min., 2/2016)

Ohne den Faktor „Zeit“ wäre bekanntlich Musik undenkbar. So binsenweisheitsmäßig diese Feststellung aber auch sein mag – für den Franzosen Philippe Manoury war dennoch jetzt einmal die Zeit gekommen, dem Wesen einer musikalischen Zeit auf den Grund zu gehen. Der stark von Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis beeinflusste Komponist hat dafür nun eine Art „Gebrauchsanweisung“ komponiert, mit der das Zeitphänomen „Musik“ in verschiedensten klangräumlichen und elektro-akustischen Dimensionen (auch simpel von langsam bis schnell) ausgelotet wird. „Le temps, mode d´emploi” (Die Zeit, Gebrauchsanweisung) lautet das knapp einstündige Werk für zwei Klaviere und Live-Elektronik, das 2014 bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik vom GrauSchumacher Piano Duo uraufgeführt wurde. Während das unmittelbare Live-Erlebnis dieser Raum-Klang-Installation mit ihren zwei realen und vier virtuellen, über Lautsprecher eingespielten Klavieren umwerfend sein muss, so kommt man selbst bei der Studioaufnahme nicht aus dem Staunen heraus. So überwältigend orgiastisch verbünden sich da pure Rasanz und Virtuosität, mit der die leibhaftigen zwanzig Klavierfinger sich mit den maximal vierzig anlegen, die per Zuspielung irrwitzig zerstäubte und wild fluoreszierende Tonwolken aus dem Lautsprecher feuern. Dann wieder bewegt sich alles wie ein schillernd-illuminiertes Klangmobile umher, scheint das Geschehen fast völlig zur Ruhe, zum Stillstand zu kommen. Und dass man in Millisekunden und ohne Verschnaufpause atemberaubende Glissandi-Sprints über die Tastatur hinlegen kann, hat schon fast etwas Zirzensisches. Diese knapp 60 Minuten Neue Musik vergehen wie im Flug.

Guido Fischer, 14.09.2019



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