Responsive image

You Are #6

Don Byron

Blue Note/EMI 32231
(58 Min.) 1 CD

"More Music For Six Musicians” ist der Untertitel des neuen Albums von Klarinetten-Tausendsassa Don Byron. Die Sextett-Besetzung, auf die angespielt wird, besteht seit sechs Jahren und erweist sich erneut als idealer Klangkörper für die Komposition- und Arrangierkonzeption Don Byrons. Die erinnert mit ihrer Vorliebe für kalkulierte Dissonanzen und für ambivalent ungerade Rhythmen an Max Roach, den Miles Davis von „On The Corner“ und Verfahrensweisen der M’Base.
Vorherrschend auf dieser CD ist die Latin-Rhythmik, angeführt von Milton Cardonas Congas. Doch in typischer intellektuell-hipper Byron-Attitüde lässt sich diese Rhythmik nicht auf Kubanisches, Brasilianisches oder Calypso-Beats festlegen. Und in den Arragements selber kommen entsprechende Melodie- bzw. Harmonie-Patterns nur sehr verfremdet vor.
All das ist Ausdruck von Byrons Bemühen, "gleichzeitig äußerst ethnisch und zugleich äußerst kosmopolitisch“ zu klingen. Der Einsatz von Sprech- und Chorstimmen gehört ebenso dazu wie der abgedrehte Remix eines ohnehin schon surrealistisch anmutenden Tracks durch DJ Spooky. So ist die Musik bei aller rhythmischer Komplexität stets kopfbestimmt. Byrons Solobeiträge, mal klassisch cool, dann wieder fiepsig kieksig dünn, hauchen ihr auch nicht gerade Vitalität ein. Zum Glück gibt es ihn dennoch, den Odem prallen Lebens, wenn die Trompete in ihren zahlreichen Soli auf das Körperzentrum zielt.

Mátyás Kiss, 31.12.1997



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top