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Ludwig van Beethoven, Sergei Rachmaninow

Klaviersonaten Nr. 22 & 24; Klaviersonate Nr. 2 op. 36

Ivo Pogorelich

Sony 19075956602
(64 Min., 9/2016 & 2018)

Der 1980 dank seines ersten großen Fans Martha Argerich auf Anhieb zum neuen Klavierstar aufgestiegene Ivo Pogorelich hat sich viel Zeit für sein neuestes Studio-Album gelassen. Immerhin sind 20 Jahre seit seiner letzten CD-Einspielung vergangen. Für sein Comeback hat der Kroate Sonaten von Beethoven und Rachmaninow (Nr. 2 op. 36) ausgesucht. Was auf den ersten Blick ganz nach reinstem Mainstream anmutet. Aber statt auf Beethovens Gassenhauer wie die „Waldstein“- oder die „Appassionata“-Sonate zu setzen, hat sich Pogorelich für zwei zweisätzige, im Konzertbetrieb eher stiefmütterlich behandelte Opera entschieden. Es sind die 1804 bzw. 1809 entstandenen Sonaten Nr. 22 & 24. Und gleich bei der F-Dur-Sonate verschlägt es einem die Sprache, wie Pogorelich die einladende gemütliche Einleitung zum Sprungbrett in eine Welt nimmt, die bereits die fantastischen Züge Robert Schumanns ankündigt. Das nachfolgende Allegretto verwandelt sich dann unter Pogorelichs bravourös zupackender Gangart in ein Perpetuum mobile und in eine Vorahnung von Schumanns Toccata.
Einer ähnlichen Rehabilitation unterzieht Pogorelich auch die 24. Sonate, lässt er im Eröffnungssatz bereits den späten „metaphysischen“ Beethoven erahnen. Einzig im anschließenden Allegro vivace ist Pogorelich etwas zu manieriert unterwegs, wenn er die Motorik ständig mit überpointierten Kontrasten und Effekten untergräbt. Trotzdem sind diese beiden Sonaten bei ihm das pure Gegenteil von Konventionalität und Konfektioniertem. Bei Rachmaninows 2. Klaviersonate setzt Pogorelich dann sogleich ohne falsches Pathos auf die Gesanglichkeit einer Musik, die mit harmonischen Verunsicherungen und den daraus schillernden Valeurs plötzlich in neuem skrjabinhaftem Licht erscheint. Pogorelich kann es eben immer noch.

Guido Fischer, 24.08.2019



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