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Johann Sebastian Bach

Die Toccaten BWV 910-916

Mahan Esfahani

Hyperion/Note 1 CDA68244
(77 Min., 6/2018)

Zu den großen Fragezeichen, die weiterhin um Bachs Schaffen kreisen, gehören die zu seinen Cembalo-Toccaten BWV 910-916. Denn noch immer ist nicht geklärt, wann und für welchen Anlass diese sieben Werke entstanden sind. Keine ist in Bachs Handschrift überliefert. Weshalb man nur vermutet kann, dass die Toccaten wohl während seiner Tätigkeiten in Arnstadt und Weimar geschrieben wurden. Was hingegen dieses mitreißende, ständig neue Seitenpfade einschlagende Zusammenspiel aus improvisatorischem Schwung und polyphoner Gedankenarbeit angeht, gehört das alles natürlich mit zum Besten, Anspruchsvollsten und Abenteuerlichsten, was Bach für Tasteninstrumente geschrieben hat. Erstaunlicherweise spielen die Toccaten aber weiterhin im Konzert- und Studiobetrieb keine besonders große Rolle – trotz der epochalen Einspielungen von Glenn Gould am modernen Flügel. Nun hat sich der iranische Cembalist Mahan Esfahani auch akribisch mit der Quellenlage und speziell mit den Verzierungsgewohnheiten in Bachs Zeit beschäftigt, bevor er sich an ein Cembalo setzte, das der finnische Instrumentenbauer Jukka Ollikka 2018 für ihn gebaut hat. Und um was für ein Power-Instrument es sich dabei handelt, zeigt Esfahani nicht zuletzt auf der Finalstrecke der D-Dur-Toccata BWV 912. Da schlagen nur so die Funken aus diesem prachtvoll klingenden Cembalo. Und Esfahani hat hörbar seinen Spaß, beim konzertanten Elan immer noch eine kleine Schippe draufzulegen. Überhaupt ist es Esfahani glänzend gelungen, die musikphilologische Akribie mit Leben, Esprit und Frische derart zu füllen, dass man aus dem Staunen und dem Vergnügen einfach nicht herauskommt.

Guido Fischer, 03.08.2019



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