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La misteriosa musica della Regina Loana

Gianluigi Trovesi, Gianni Coscia

ECM/Universal 7738787
(51 Min., 1/2018)

Manche Freundschaft hält über den Tod hinaus. Gianni Coscia war schon als Vierzehnjähriger so eng mit Umberto Eco befreundet, dass dieser als Dreizehnjähriger sogar ein Gedicht zu einer Melodie Coscias schrieb. Zwei Jahre nach Ecos Tod lebt dieses kleine Stückchen als sentimentale Eröffnung des Albums „La misteriosa musica della regina Loana“ wieder auf – ohne Gesang. Der Text Ecos ist im Booklet nachzulesen.
Der Titel des Albums bezieht sich auf Ecos Roman „La misteriosa fiamma della regina Loana“, in dem die Hauptfigur Yambo aus dem Koma erwacht. Allerdings hat Yambo das Gedächtnis verloren. Von seiner Frau unterstützt, begibt er sich im Haus seines Großvaters auf die Recherche nach seiner Vergangenheit, insbesondere seiner Jugend im faschistischen Italien und in den Jahren nach der Befreiung, nach Schätzen wie alten Schallplatten, Comics und Schulheften. Er fällt erneut ins Koma, aus dem ihn die Königin Loana weckt.
In seinem Rückblick auf die 1950er Jahre zitiert Eco gelegentlich Tagesschlager. Genau diese greifen nun der Akkordeonist Gianni Coscia und der Klarinettist Gianluigi Trovesi auf – hochachtungsvoll und bescheiden hinter den Melodien zurücktretend und diese liebevoll und zurückhaltend schmückend. Sie improvisieren wenig, sondern konzentrieren sich darauf, die Songs scheinbar schlicht, wohl aber anspruchsvoll zum Leben zu erwecken. Dabei bläst Trovesi mit klarem, manchmal humorigem, manchmal sentimentalem Ton.
Gleich zweimal lassen sie Glenn Millers „Moonlight Serenade“ aufblühen, außerdem sind Evergreens wie „Basin Street Blues“, „As Time Goes By“, „Bella Ciao“ (hier „Fiscia il vento“ genannt) und „Bel ami“ in bezaubernden Versionen zu hören. Radioschlager aus den 1950ern, die Eco in seinem Roman erwähnt hat, sowie eigene Kompositionen des Duos ergänzen das Repertoire. Das alles kommt mit einer Leichtigkeit daher, die einen auf der Terrasse oder dem Balkon an Urlaub, Sommer und einen kühlen, frischen Weißwein im Glas denken lässt.

Werner Stiefele, 03.08.2019



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