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Pearls

Céline Rudolph

Obsessions/Bertus-Membran OB 270182
(65 Min., 2/2019)

Für gewöhnlich braucht es lange, bis eine Perle entsteht. Doch die Schmuckstücke, die die Sängerin, Komponistin und Gitarristin Céline Rudolph auf ihrem Album „Pearls“ präsentiert, entstanden innerhalb von nur drei Tagen und Nächten in Brooklyn.
Die Chemie stimmte nun mal zwischen der in Berlin lebenden Rudolph und der erlesenen Schar ihrer in den Staaten beheimateten Mit-Musiker: Schlagzeuger und Co-Produzent Jamire Williams (sonst u.a. mit Herbie Hancock, Christian Scott oder Robert Glasper zugange), Tasteninstrumentalist Leo Genovese (bei Esperanza Spalding beschäftigt), Bassist Burniss Travis (mit Jacky Terrasson unterwegs) sowie Gitarrist Lionel Loueke, mit dem die Berlinerin 2018 eine bemerkenswerte Duett-Aufnahme herausgebracht hat.
Die Stimmung dieser Einspielung – intim, aber auch expressiv, konzentriert, aber auch voller spielerischer Leichtigkeit – bestimmt nun auch „Pearls“. Und fügt dem ohnehin schon polyglotten Vokabular der in verschiedensten Sprachen singenden Deutsch-Französin noch weitere Idiomschattierungen hinzu: treibenden Soul à la Marvin Gaye („On The Way“), urbane Gegenwarts-Grooves (in der Umarbeitung des Standards „I'm Old Fashioned“), ein perfektes Changieren zwischen D'Angelo, Bill Evans und Bossa Nova („O silencio das estrelas”) oder ein hypnotisches Versinken in der Jam-Welt der frühen 1970er Jahre („Dim The Lights“).
Dabei fällt auf, was für eine fantastische Sängerin und Songschreiberin Rudolph ist. Sie macht alles, was man von einer zeitgenössischen Jazzvokalistin erwarten darf. Aber jeder Scat, jedes nonverbale Seufzen, jedes Interpretieren eines Textes hat ein je ne sais quoi, ein gewisses silbriges Gleißen. Es mag an Rudolphs breitem kulturellen Hintergrund liegen, der die französische Chanson-Tradition eines Serge Gainsbourg ebenso umfasst wie Afrikanisches, Brasilianisches oder Surreal-Abseitiges. Es kann aber auch sein, dass hier über die Jahre eine funkelnde Perle entstanden ist, die nun weit über den europäischen Jazz hinausstrahlt.

Josef Engels, 20.07.2019



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