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Jean-Baptiste Lully, François Couperin, Michel-Richard Delalande u.a.

Messe du Roi Soleil

Ensemble Marguerite Louise, Gaétan Jarry

Chateau de Versailles/Note 1 CVS008
(53 Min., 7/2018)

Was die prunkvolle Selbstinszenierung angeht, war Seine Majestät Ludwig XIV. bekanntermaßen einfach unersättlich. Und so bestaunt man heute nicht nur die riesigen Versailler Schlossanlagen mit ihren Brunnen und Kanälen, sondern ebenfalls die Gesamtkunstwerk-Gloire in den Heiligen Hallen der Chapelle Royale. Die zweistöckige, mit Fresken und Blattgold ausgekleidete Kapelle wurde zwar erst 1710 geweiht – und damit fünf Jahre vor dem Tod des Sonnenkönigs. Doch hier dürfte der gebrechliche, weil von seinen Leibärzten arg malträtierte König mit jenem stolzen Rückgrat die tägliche Messe besucht haben, wie es dieser eifrige Kirchgänger in den Versailler Kapellen zuvor getan hatte. Das junge französische Alte Musik-Ensemble Marguerite Louise hat nun unter der Leitung von Gaétan Jarry die Atmosphäre solch einer Messe am Originalschauplatz, eben in der Königlichen Kapelle, rekonstruiert. Ausgewählt hat man dafür sogenannte „Grand Motets“ der Versailler Haus- und Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully („Exaudiat Te Dominus“) und Michel-Richard Delalande („Exaltabo Te Domine“) sowie eine „Petit Motet“ von François Couperin. Zwischendurch lässt Gaétan Jarry die Orgel der Chapelle Royale anhand der Piècen von Jean-Adam Guilain und Couperin so erstrahlen, wie es gerade an besonderen Feier- und Festtagen üblich war. Von innig sakral bis fulminant weltlich reicht da der Klangbogen, mit dem das Ensemble mit seinen Instrumentalisten und Vokalisten sich auf Anhieb in die Beletage der französischen Barockmusikpflege katapultiert hat. Gleich zu Beginn werden zum Glockengeläut die Pforten der Kapelle mit einem militärischen „Marche pour fifres et tambours“ aus der Feder von François-André Danican Philidor geöffnet – was beim strenggläubigen Kriegsherrn Louis XIV. sicherlich eine Gänsehaut nach der anderen ausgelöst hätte.

Guido Fischer, 13.07.2019



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