Für jene, die Calixto Bieitos Arbeiten kennen, ist dieser "Don Giovanni" "business as usual". Und doch verglichen mit den jüngsten Inszenierungen des Regisseurs eher harmlos bis brav. Natürlich treibt es Giovanni mit Anna auf dem Rücksitz seiner Limousine. Natürlich ist sie eine Sex besessene Zicke, die ganz genau weiß, wem sie an die Hose geht. Natürlich ist der Don nicht maskiert. Also muss sie ihn wenige Nummern später auch nicht als den Mörder ihres Vaters erkennen. Wer den getötet hat, ist ihr von Anfang an klar. Um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, dass sie an Papas Ende indirekt mitschuldig ist, stempelt sie Giovanni zum Übeltäter ab und erfindet für Ottavio die Story von der keuschen Anna, die nachts vom maskierten Vergewaltiger überfallen wird. Der entscheidende Grund dafür, dass sie ihn des Mordes bezichtigt, liegt indes woanders: Giovannis Interesse für Anna ist bereits abgekühlt. Die nicht mehr Begehrte rächt sich. Willkommen in Donna Elviras Club der Verlassenen. Wie immer variiert Bieito die Biografien der Figuren, gibt ihnen andere, neue Deutungen, Richtungen. So wirklich neu ist vieles davon allerdings nicht. Vieles zählt seit Peter Sellars "Don Giovanni"-Produktion längst zu den bekannten Versatzstücken "moderner" Interpretationen des Stücks. Die Besetzung spielt sich wund und singt auch noch gut, vor allem Veronique Gens (Donna Elvira), Regina Schörg (Donna Anna) und Kwangchul Youn (Leporello).

Jochen Breiholz, 23.06.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top