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Kaija Saariaho

„True Fire“, „Ciel d´hiver“, „Trans”

Gerald Finley, Xavier de Maistre, Finnisches Radio-Sinfonieorchester, Hannu Lintu

Ondine/Naxos ODE1309-2
(61 Min., 2017)

Wie Kaija Saariaho einmal aus ihrer Werkstatt berichtet hat, legt sie Klänge quasi „unter ein Mikroskop“, um sie bis in ihre geheimnisvollsten Verästelungen hinein zu beobachten. Und je länger sie hineinschaut, desto mehr zarteste Schattierungen und Übergänge macht sie aus. Diese Akribie einer naturwissenschaftlichen Forscherin hat die aus Helsinki stammende Komponistin vor allem in ihrer Wahlheimat-Stadt Paris kultiviert, wo sie nicht zuletzt über die Begegnung mit der Spektralmusik von Gérard Grisey und Tristan Murail die unendlich vielen Abstufungen in Farbe, Dynamik, Artikulation und Rhythmus kennenlernte. Hauchzarten Klangschattierungen begegnet man daher in ihren Werken genauso wie ultrafein glimmenden Soundpartikeln und geheimnisvoll anmutenden Signalen. Dass Saariahos Kompositionen sich dabei jedoch nie ätherisch geben und sich verflüchtigen, sondern eine unmittelbar berührende bis anspringende Präsenz besitzen, spiegeln nun ebenfalls drei jüngere Kompositionen wider. Aus den Jahren 2013 bis 2015 stammen der Vokalzyklus „True Fire“, das Orchesterwerk „Ciel d´hiver“ sowie das Harfenkonzert „Trans“, die von dem Finnischen Radio-Sinfonieorchester unter Leitung seines Chefdirigenten Hannu Lintu ebenso spannungsvoll im Großen wie sorgfältig im Detail aufgenommen worden sind. Mit den asiatisch anmutenden Flötengirlanden und dem fluoreszierenden Orchestergewebe bewegt sich „Ciel d´hiver“ zwischen Debussy und Tōru Takemitsu, und ist doch eindeutig 21. Jahrhundert. Um die sängerische Bandbreite des Baritons Gerald Finley in den Mittelpunkt zu stellen, wählte Saariaho für den Vokalzyklus „True Fire“ für Bariton und Orchester Texte u.a. von Ralph Waldo Emerson sowie eine reiche prismatische und filigrane Klangpalette. Und die gleich den ersten Song einleitenden Harfen-Arabesken finden ihren Widerhall in dem dreisätzigen Harfenkonzert „Trans“, dessen mikroskopisch feinen Farbverästelungen Xavier de Maistre meisterhaft mit feinster Hand nachspürt.

Guido Fischer, 04.05.2019



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