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Come What May

Joshua Redman Quartet

Nonesuch/Warner 7559792673
(44 Min.)

Auch junge Löwen werden mal alt: Am 1. Februar feierte Joshua Redman seinen 50. Geburtstag. Es ist ein Alter, in dem man Rückschau hält und sich guter Freunde erinnert. Im Falle des Saxofonisten sind es die Quartettmitstreiter Aaron Goldberg (Piano), Reuben Rogers (Bass) und Gregory Hutchinson (Drums), mit denen Redman zur Jahrtausendwende zwei bedeutsame Alben einspielte: Vor allem in ihrer Live-Umsetzung zeigten sie nachdrücklich, dass sich der Saxmann von der medienwirksam boppenden „Young Lions“-Modefigur zu einem ernstzunehmenden Fackelträger der Jazzgegenwart entwickelt hatte.
„Come What May“, das 18 Jahre nach der letzten gemeinsamen Einspielung „Passage Of Time“ erscheint, legt davon erneut ein beredtes Zeugnis ab. Was auch an den zwischen Vertrautem und Vertracktem, Vorausschauendem und Vergangenem changierenden Stücken des Bandleaders liegt.
Es kommt alles wieder, nur anders als gedacht – so könnte man etwa den Albumauftakt „Circle Of Life“ deuten, dieses in eigenartigen Intervallschritten dahingleitende Kreiselspiel der vier Beteiligten. Nach diesem vergleichsweise sperrigen Einstieg folgen unter anderem eine energetische Gute-Laune-Nummer mit sehnigem Beat und eingängiger Melodie („I'll Go Mine“), ein bluesiger Balladenwalzer („Come What May“), ein hektisch dekonstruierter Turnaround mit fiesen Breaks und einem enorm swingenden Klaviersolo („How We Do“) oder ein flirrendes Stück mit überraschenden Stops, das ein wenig an Leroy Andersons durch Jerry Lewis berühmt gewordenen „Typewriter“ erinnert („DGAF“).
Aber egal, was Redman, Goldberg, Rogers und Hutchinson spielen – es lebt alles von einer enorm hohen Kommunikationsintensität (man höre nur, wie irrwitzig verdichtet sich Redman und Pianist Goldberg in „I'll Go Mine“ die Solo-Motivkürzel um die Ohren hauen), grinsend eingestreute Rückgriffe auf Bekanntes (so zitiert Redman auch schon mal den „Yankee Doodle“) sowie mörderisch pumpende Grooves, die Drummer Hutchinson mit gnadenloser Präzision in den Boden rammt. Komme, was wolle: Dieses Quartett brennt. Und zeigt, dass 50 anscheinend wirklich das neue 20 ist.

Josef Engels, 13.04.2019



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