Responsive image
Esa-Pekka Salonen

Cellokonzert

Yo-Yo Ma, Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen

Sony 19075928482
(35 Min., 2/2018)

Bis 2009 war Esa-Pekka Salonen Chef des 1st-Class-Orchesters aus Los Angeles. Seitdem ist er immer wieder in der Doppelfunktion als dirigierender Komponist bzw. komponierender Dirigent zurückgekehrt. So auch 2017, als er sein Cellokonzert zusammen mit dem Widmungsträger Yo-Yo Ma uraufführte. Bei aller Neugier des Dirigenten auf die Avantgarde hat der Komponist sich jedoch nie auf eine Neue Musik-Seite geschlagen und ist irgendwelchen Moden und Strömungen gefolgt. Dennoch besitzt seine Klangsprache trotz ihrer unmittelbar packenden Sinnlichkeit eine Gespanntheit und Tiefe, die ihn von der amerikanischen Postmoderne unterscheidet. Auch Salonens dreisätziges Cellokonzert, das in Yo-Yo Ma nun wahrlich seinen hochvirtuosen Meister gefunden hat, lebt von einem riesigen Ausdruckspanorama, ohne dabei ins Beiläufige bzw. Klischeehafte abzudriften. Dem ersten Satz kann man bei aller Nähe zum französischen Impressionismus so manche Orientalismen attestieren. Im 2. Satz findet sich gerade im Dialog zwischen Cello und Flöte Fernöstliches. Und beim 3. Satz geht es indisch wie lateinamerikanisch zu. Aber bei Salonen bewegt sich all das eben nicht simpel weltmusikalisch an der Oberfläche. Vielmehr sind diese (selbst schon raffiniert um- und ausgearbeiteten) Anleihen eingewoben in ein großes Spektrum unterschiedlichster Klangenergiezustände, das vom wolkenhaften Tutti bis hinunter zum zarten Flageolett reicht. Bei dieser Weltersteinspielung ist auch Yo-Yo Ma derart dauergefordert, dass man allein schon vor seiner Kondition den Hut ziehen muss. Einziger, kleiner Wermutstropfen bei dieser Aufnahme ist die nicht einmal zur Hälfte genutzte Speicherkapazität einer CD.

Guido Fischer, 30.03.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top