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Sergei Rachmaninow, Francis Poulenc, Louis Vierne

Paganini-Rhapsodie, Konzert für Orgel, Streicher und Pauken u.a.

Cameron Carpenter, Konzerthausorchester Berlin, Christoph Eschenbach

Sony 88985390822
(55 Min., 6/2018)

„Wer ins Schwarze getroffen hat, hat ins Schwarze getroffen, ganz egal, wann, wie und wo. Und wenn einer ins Schwarze getroffen hat, klingelt die ganze Schießbude, und alle Lampen gehen an für einen Augenblick.“ Diese Gewissheit aus dem Munde Karlheinz Stockhausens fällt einem bei Cameron Carpenter ein. Denn Carpenter spielt nicht einfach fantastisch Orgel. Auf seiner mitentwickelten Turbo-, pardon: „Touring-Organ“ verwandelt er sich in einen fulminanten Klangfarbenfeuerwerker, der das Staunen beim Publikum, das Aah und Ooh noch einmal mit feinstem Glitzertonregen weiter ausreizt. So wie etwa in den letzten Takten des Allegro-Finalsatzes der 1. Orgelsinfonie von Louis Vierne, bei der schwungvoll und majestätisch zugleich höchste Kathedralkunst auch mit Vaudeville-Charme verschmilzt – bevor es märchenhaft funkelt und erneut alle Lampen angehen.
Auf seiner Irrsinns-Orgel zeigt nun der Amerikaner einmal mehr, warum er das Interesse und die Lust an den alteingesessenen Orgeln verloren hat. Denn so glamourös lustvoll bis geradezu wollüstig kann er nur auf diesem Instrument loslegen. Und dass zwischen dem grandiosen Virtuosen und dem keine Grenzen kennenden Gestaltungskünstler kein Blatt passt, unterstreicht er auch in den beiden Hauptwerken seines neuen Albums. Eröffnet wird das Spektakel von Rachmaninows „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ im Arrangement des Solisten. Und man möchte eigentlich kaum glauben, dass am Pult des Konzerthausorchesters Berlin nun Christoph Eschenbach assistiert. So anspornend und abenteuerlustig geht der in letzter Zeit eher das Gediegene favorisierende Eschenbach zur Sache. Carpenters Steilvorlagen, seine Attacken und Ekstase, seine fast skrjabinhaft anmutende Magie und dann wieder leicht zuckersüßen Kantilenen müssen anderseits aber auch jedem Maestro in die Glieder fahren. Mit Bachscher Imposanz fährt Carpenter danach in Francis Poulencs Konzert für Orgel, Streicher und Pauken sein Gefährt auf – um es dazwischen immer auch in intimen und magischen Momenten kostbar leuchten zu lassen. Nicht zuletzt in diesen Augenblicken hat Carpenter wieder mitten ins Schwarze getroffen.

Guido Fischer, 23.03.2019



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