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Bernd Alois Zimmermann

Violinkonzert, „Photoptosis“, Vokalsinfonie „Die Soldaten“

Leila Josefowicz, Anu Komsi, Hilary Summers, Finnisches Radio-Sinfonie-Orchester, Hannu Lintu u.a.

Ondine/Naxos ODE 1325-2
(74 Min., 6/2016, 5 & 9/2018)

Im letzten Jahr feierte nur ein kleiner Teil der musikalischen Öffentlichkeit den 100. Geburtstag von Bernd Alois Zimmermann – wie es eben so üblich ist, bei solchen schwergewichtigen Persönlichkeiten der Neuen Musik. Dabei gehörte der 1970 verstorbene Rheinländer nicht zu einer festen, musikideologisch um sich drehenden Clique. Zimmermann erwies sich bereits in den Anfängen seiner oftmals von heftigem Gegenwind geprägten Komponistenkarriere als ein den musikalisch unterschiedlichsten Ausdrucksformen offener Geist und Pionier. Der frühe Einfluss des Jazz etwa lässt sich in dem 1950 uraufgeführten, klassisch dreisätzigen Violinkonzert genauso ausmachen wie in seiner visionären Multi-Media-Oper „Die Soldaten“, 1965 in Köln uraufgeführt. Und sein Orchesterwerk „Photoptosis“ aus dem Jahr 1968 entpuppt sich als eine riesige, oftmals heftig wankende Klangskulptur, in die musikalische Erinnerungsfetzen von Bach und Beethoven eingebrannt sind. Das Collageartige und Pluralistische dieser drei epochalen Werke Zimmermanns hat aber so gar nichts mit postmoderner Leichtgewichtigkeit zu tun. Alle sind sie im Grunde Ausdruck taumelnder Existenzen. Und genau dieser immer auch mitschwingende Ton des Gehetztseins, des Balancierens am Abgrund zieht sich jetzt wie ein roter Faden durch diese packende – weil bisweilen das Schonungslose völlig ausreizende – Zimmermann-CD. Zusammen mit Hannu Lintu und dem Finnischen Radio-Sinfonie-Orchester verwandelt Geigerin Leila Josefowicz mit auch bärbeißigem Zugriff das Violinkonzert in einen brodelnden Sound-Kessel. „Photoptosis“ wird zum Orchesterschocker. Und die erst 1975 uraufgeführte Vokalsinfonie, für die Zimmermann sechs Sätze aus „Die Soldaten“ ausgewählt hatte, schlägt einem – auch dank solcher Vokalisten wie der Ausnahme-Altistin Hilary Summers – mit voller Wucht entgegen und gräbt sich über die Gehörgänge direkt ins Nervensystem ein.

Guido Fischer, 16.03.2019



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