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Hector Berlioz

Symphonie fantastique (Fassung für 2 Klaviere)

Jean-François Heisser, Marie-Josèphe Jude

harmonia mundi HMM 902503
(52 Min., 6/2018)

Reduzieren, reduzieren, das ist es, was einem früher die französischen Köche als das Geheimnis ihrer Saucenzubereitung empfohlen haben. Wassergehalt verringern, Geschmack intensivieren: Zum schnellen Reduzieren wird die Flüssigkeit in einen breiten Topf gegeben und unter ständigem Rühren bei kräftiger Hitze bis zur gewünschten Konsistenz eingekocht. So ähnlich ist einst auch Franz Liszt verfahren, als er für den ihm geistesverwandten Hector Berlioz die „Symphonie fantastique“ für das Klavier eingedampft hat. Ein Paradox: Das modernste Werk seiner romantischen Zeit (1830), seiner bahnbrechenden Orchestrierung beraubt, um es vor dem Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit bestens verbreiten und vertreiben zu können. Technicolor wird Schwarzweiß. Etwas bunter freilich wird, jetzt als originellstes Präsent zum 150. Todestag, diese Episode aus dem Leben eines exzentrischen Künstlers in fünf Teilen quasi wieder verdoppelt. Der französische Pianist Jean-François Heisser hat nämlich die Liszt-Version auf 176 Tasten und 20 Finger vergrößert. Zusammen mit Marie-Josèphe Jude hat er sie auf einem ganz besonderen, historischen Instrument eingespielt: auf einem Piano vis-a-vis von Pleyel aus dem Jahr 1928 mit einem Resonanzkasten und zwei Klaviaturen. Da bleibt erst einmal die Essenz, und das ist schon nicht wenig, von Berlioz’ bahnbrechend programmatischer Komposition. Je mehr die aber über Träume und Leidenschaften, den Ball, die Szene auf dem Lande, den Marsch zum Richtplatz und den Hexensabbatalbtraum voranschreitet, desto stärker wird es eine idée fixe von Buntkreiden. Die erweiterte Klaviatur höht die Farben zu einer ausdrucksstarken Zeichnung, zur plastischen Skizze. Die viele Details offenbart, welche sonst gern im orchestralen Glanzgetümmel untergehen. Und die hier sehr präzise und deutlich, wie ein Relief, von diesem besonderen Duo herausgearbeitet werden. Erkenntnisgewinnbringender Minimalismus eben.

Matthias Siehler, 09.03.2019



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