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Radio Mediteran

Omer Klein Trio

Warner 5054197031007
(47 Min., 7/2018)

Seit fünf Jahren macht der in Düsseldorf lebende Pianist Omer Klein mit Bassist Haggai Cohen Milo und Schlagzeuger Amir Bresler gemeinsam Musik. Für ihre inzwischen dritte Einspielung haben sich die drei Israelis nun dazu entschieden, die klassischen Pfade des Piano-Trios zu verlassen.
Davon ist bei „Our Sea“, dem ersten Stück von „Radio Mediteran“, freilich zunächst nicht viel zu spüren. Man hört jene reizvollen, auf der phrygisch-dominanten Skala aufbauenden Melodien, die durch Avishai Cohen ihren selbstverständlichen Platz im zeitgenössischen Jazz bekommen haben. Dann aber, gegen Ende, liegt plötzlich eine fluffige Synthpad-Wolke über dem akustischen Geschehen, und ein synthetischer Bass grollt in der Tiefe. Das Mittelmeer steht unter Strom.
Es lässt sich darüber streiten, ob die Keyboardsounds, auf die Klein bei der Aufnahme immer wieder zurückgreift, geschmacklich durchgängig eine gute Wahl sind. Inhaltlich ergeben sie bei der frei assoziierenden Auseinandersetzung mit der Musik der mediterranen Anrainer durchaus Sinn. Etwa in „Tripoli“, wo die quäkenden und billig klingenden Melodiesounds gleichzeitig augenzwinkernd wie respektvoll die Klänge aus einem übersteuerten Radio auf einem Markt in der libyschen Hauptstadt emulieren. Im weiteren Verlauf der Einspielung hört man auch Muezzin-Gesänge, nordafrikanische Hochzeitsmusik und sogar einen Hauch von Ibiza-Partyhousemusik (etwa im Titelstück).
Das Trio, bei dem Schlagzeuger Bresler regelmäßig zur Percussion greift (auch das eine Neuerung für das Dreiergespann), drängt bei seinen imaginären Erkundungen des Mittelmeerraums aber auch ins Landesinnere. „Sofia Baby“ klingt ein wenig wie eine Balkanvariante von Jamie Cullum und weist ein warmes Moog-Solo auf, während „Desert Trip“ mit seinem hypnotischen Tabla- und Schellengroove so wirkt, als würden die Klavierminimalisten Ahmad Jamal und Abdullah Ibrahim zusammen einen Ausflug auf Kamelen unternehmen.
Mit „Last Days Of School“ kehren Klein und die Seinen schließlich wieder zu der reinen Lehre des Piano-Trio-Jazz zurück: Der Klavierspieler seufzt wie Keith Jarrett, und die Elektronik bleibt stumm. Angesichts der hier entfachten Spielintensität steht die Frage im Raum, ob man an manchen Stellen von „Radio Mediteran“ vielleicht doch lieber auf leibhaftige Musiker an echten Instrumenten wie Oud oder Ney hätte zurückgreifen sollen.

Josef Engels, 02.03.2019



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