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Joey Roukens, Peter Eötvös, Richard Rijnvos, Erkki-Sven Tüür

„Horizon 9“ (Boundless, Multiversum, Amérique du Nord, Solastalgia)

Iveta Akpalna, László Fassang, Vincent Cortvrint, Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Alan Gilbert, Peter Eötvös, Gustavo Gimeno, Stéphane Denève

RCO Live/Warner 18009
(85 Min., 2017) SACD

Vorhang auf zur etwas anderen Lenny Bernstein-Show! 2017, und damit quasi am Vorabend des 100. Geburtstags des amerikanischen Multi-Genies, brachte das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam zwei Orchesterstücke zur Uraufführung, mit denen zwei niederländische Komponisten ihrem Idol huldigten. Und wenngleich sich Joey Roukens und Richard Rijnos wohl kaum abgesprochen haben, besitzen ihre musikalischen Verbeugungen „Boundless“ bzw. „Amérique du Nord“ das perfekte US-Sound-Gen. Auch von postminimalistischem Drive angefacht, kommt Roukens „Boundless“ daher, als ob er seine Ausbildung bei John Adams gemacht hätte. Als ein nicht weniger effektvoller Trip nach Hollywood und an den Broadway, gespickt mit Bernstein-Zitaten, Gershwin-Elan und Erich Wolfgang Korngold-Soundtrack-Schmiss erweist sich hingegen Rijnvos‘ „Amérique du Nord“. Bei den deutschen Neue Musik-Meetings fallen solche Werke natürlich sofort durch. Beim hiesigen traditionellen Abo-Konzert dürfte dagegen ihrem Erfolg nichts im Wege stehen.
Beide Werke finden sich auf einer CD, mit der das niederländische First-Class-Orchester unter der Leitung von gleich vier Dirigenten sein Engagement für die jüngste Musik unterstreicht. So dirigiert Peter Eötvös sein mit „Multiversum” bezeichnetes Doppelkonzert für Orgel und Hammondorgel, mit Iveta Apkalna und László Fassang in den Hauptrollen. Und nach dem ätherischen Einstieg, in dem Bachs berühmte d-Moll-Toccata schillert und funkelt, heben die Tasteninstrumente zusammen mit dem Orchester in magisch illuminierte und sogar mit so manchen Jazz-Anleihen eingefärbte Klangsphären jenseits der Erdatmosphäre ab. Asiatisch filigraner kommt zum Schluss „Solastalgia” für Piccoloflöte und Orchester des aus Estland stammenden Erkki-Sven Tüür daher, höchst eindringlich gespielt von Vincent Cortvrint und dirigiert von Stéphane Denève. Und auch dieses faszinierende zeitgenössische Stück sollte eigentlich bald seinen Weg ins Orchesterrepertoire finden.

Guido Fischer, 02.03.2019



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