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Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Woelfl

L’Affaire d‘Honneur

Luisa Imorde, Jacques Rouvier

Berlin Classics/Edel 0301162BC
(75 Min., 1 & 2/2017)

Themengenerierte Konzert- oder CD-Programme seinen out, hieß es vor längerer Zeit schon. Eine CD wie die vorliegende straft dieses Verdikt Lügen: Natürlich ist es sinnvoll und lehrreich für die Hörer, wenn ein CD-Projekt auf eine historische Begebenheit verweist. In diesem Fall ist dies der Künstlerwettstreit zwischen Ludwig van Beethoven und Joseph Woelfl, der in Wirklichkeit wohl eine ganze Reihe von Konzertabenden im Wiener Palais des Barons Wetzlar von Plankenstein umfasste. Als Dritter im Bunde, gewissermaßen als „graue Eminenz“, gesellt sich noch Wolfgang Amadeus Mozart hinzu: Klaviervirtuose Woelfl war einstmals sein Schüler gewesen.
Freilich lässt sich das, was dort gespielt wurde, nicht rekonstruieren: Zumindest teilweise handelte es sich ja um Improvisationen. Darum ist es sinnvoll, zwei Variationszyklen über ein und dasselbe Opernarien-Thema Antonio Salieris (der u. a. ein Lehrer Beethovens war) als Eckpfeiler des Programms zu positionieren. Dazwischen hören wir Beethovens „Pathétique“ und eine Sonate von Woelfl, die geschickt auf Beethoven Bezug nimmt, aber auch schon auf Schubert vorausweist. In ihrem Zentrum findet sich eine Fuge. Diese wiederum lässt Mozarts „Adagio und Fuge in c-Moll“ assoziieren, die sich sinnigerweise auch im Programm befindet.
So sehr die fehlende Rekonstruierbarkeit der tatsächlichen Wettstreitereien der Pferdefuß der Programmidee ist, so spannend ist es doch gleichzeitig, den heute wenig bekannten Woelfl durch Mozart und Beethoven promotet zu erleben. Ignaz von Seyfried übrigens berichtet über den Wettkampf im Hause Plankenstein, Woelfl habe virtuoser, glatter und eingängiger musiziert als Beethoven, dessen Musizieren „einem wild schäumenden Cataracte“ gleichkam. Luisa Imordes Spiel würden wir dementsprechend eher auf der Woelflschen Seite verorten: Die Durchsichtigkeit und Klarheit ihres Anschlags und die Durchdachtheit ihrer Artikulation sind stupend, was besonders den Fugen (im Falle von Mozart mit Jacques Rouvier am zweiten Klavier) sehr zugute kommt. Die „Pathétique“ allerdings haben wir schon oft wesentlich wilder und leidenschaftlicher gehört: Hier fehlt die existenzielle Tiefe, das heldische Ringen mit dem Schicksal im Ausdrucksspektrum.

Michael Wersin, 02.02.2019



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