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George Antheil

Sinfonien Nr. 3 & 6, „Archipelago“, „Hot-Time Dance“, „Spectre Of The Rose Waltz“ (Vol. 2)

BBC Philharmonic, John Storgårds

Chandos/Note 1 CHAN10982
(67 Min., 2/2018)

Als „Bad Boy of Music“ hat sich Amerikaner George Antheil einen festen Platz in der Musikgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts gesichert. Ein Titel, den er sich selbst angeheftet und nicht zuletzt mit seinem legendären „Pistolen“-Konzert 1923 in Paris bestätigt hat. Doch so böse und rebellisch war er zumindest musikalisch nicht. Vielmehr waren seine Vorlieben für den Jazz und lateinamerikanische Rhythmen nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil. Denkt man allein an den Franzosen Darius Milhaud, der gerne schon mal ein komplettes Sinfonieorchester eine knackige Rumba hinlegen ließ, begreift man bei Antheils „Archipelago“ sofort, wer für diesen nicht weniger unterhaltsamen Weltmusik-Flirt Pate stand. 1935 wurde „Archipelago“ uraufgeführt – und zwar vom General Motors Symphony Orchestra! Nicht weniger flott und schnittig geht nun das BBC Philharmonic das Stück an, mit dem man unter der Leitung von John Storgårds die zweite CD eröffnet, die man nach Vol. 1 2017 nun dem Sinfoniker Antheil widmet.
Auf dem Programm stehen die 1936 begonnene 3. Sinfonie sowie die Sechste, für die sich Antheil ab 1947 von Delacroix´ berühmtem Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ inspirieren ließ. Und bei beiden Werken fällt einem auf Anhieb ein Satz von Bernstein ein, mit dem er einmal die Musik Gershwins beschrieben hat: „Sie klingt amerikanisch, riecht nach Amerika, und wenn man sie hört, fühlt man sich amerikanisch.“ Süffige Klangfarben à la Hollywood geben sich da mit großstädtischem Drive die Klinke in die Hand. Dennoch wirkt bei Antheil nichts abgekupfert, von der Stange. Dafür weiß er nämlich immer wieder das Ruder mit großem dramatischem Gespür rumzureißen. Die Musiker fühlen sich hörbar pudelwohl in dieser größer dimensionierten Klangwelt. Und auch auf der Kurzstrecke, bei „Spectre Of The Rose Waltz“ und dem leicht an Aram Chatschaturjan angelehnten „Hot-Time Dance“, weiß man mächtig zu brillieren.

Guido Fischer, 02.02.2019



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