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N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



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Mare Nostrum III

Paolo Fresu, Richard Galliano, Jan Lundgren

ACT/Edel 1098772ACT
(61 Min., 5/2018)

„Mare nostrum“ nannten die alten Römer vor zwei Jahrtausenden das Mittelmeer. Und nun? Der Trompeter Paolo Fresu, der Akkordeonspieler Richard Galliano und der Pianist Jan Lundgren veröffentlichen schon ihre dritte Scheibe mit eben demselben Titel „Mare Nostrum“, diesmal mit einer römischen 3 versehen. Das Mittelmeer können sie damit nicht meinen, denn Fresu ist Italiener, Galliano Franzose und Lundgren Schwede. Sie wohnen also an keinem gemeinsamen Meer.
„Für alle spielt das Meer ihrer Heimat mehr als eine symbolische Rolle, als mentale Inspirationsquelle, die für das Reisen, den Austausch, die Weite steht“, stand 2016 im Pressetext zur zweiten Ausgabe. Dieses „Mare Nostrum“ als kultureller Erfahrungshorizont reicht vom Mittelmeer bis nach Skandinavien und integriert sogar ein Häppchen Amerikanisches.
Tatsächlich wirken die jeweils in sich homogenen und bezaubernden fünfzehn Titel, als seien sie aus einem Sammelbecken regionaler Traditionen geschöpft. Jeder der drei hat eigene Stücke eingebracht; außerdem covern sie Michel Legrands „The Windmills Of Your Mind“, Quincy Jones´ „Love Theme From ‚The Getaway‘“ und – mit viel Schmelz – die neapolitanische Canzone „I’te vurria vasà“. Mehr als eine Stunde reichen sie sich Variationen der Themen zu, variieren sie: ein beständiges Hin und Her, so selbstverständlich wie das Plätschern der Wellen am Strand.
Diese Musik hat keine Eile. Wohl aber wunderschöne Melodien, die dank Gallianos Akkordeon Assoziationen an Filmbilder mit französischen Bistros oder weite Wiesen und Weinberge wecken. Vergnügt hüpfen dazu Fresus Trompetenklänge, und feinfühlig gibt ihnen Lundgrens Klavierspiel Zusammenhalt. Sie schaffen eine friedliche Atmosphäre, eine Welt beseelter Ruhe und der freundlichen, charmanten Kommunikation. Dabei fußt jeder in einer anderen Traditionslinie, die sich im Umgang mit den Themen spiegelt: Bei Fresu die italienischen Canzonen und der Dämpferklang von Miles Davis, bei Galliano französische Volksmusik und deren souveräne Weiterentwicklung, wie sie Astor Piazzolla mit dem Tango vorgemacht hat, und bei Lundgren die romantische Liedbegleitung und die Harmonik des Jazz. Das passt so wunderbar zusammen, dass sich in all ihren Tönen der Traum von einem Europa spiegelt, dessen kulturelle Vielfalt sich in einem „Mare Nostrum“ vereint.

Werner Stiefele, 26.01.2019



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