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Antonio Vivaldi

„Antonio Vivaldi“ (Arien)

Cecilia Bartoli, Ensemble Matheus, Jean-Christophe Spinosi

Decca/Universal 4834475
(58 Min., 2018)

Als Cecilia Bartoli 1999 ein Album mit Vivaldi-Arien veröffentlichte, setzte sie diskografisch nicht nur ihr erstes großes Zeichen auf dem Gebiet der Barockmusik. Mit der Aufnahme stellte Bartoli zugleich ihre Neugier für vergessenes Repertoire unter Beweis und löste damit auch einen neuen Hype um den venezianischen Opernkomponisten aus. Fast aufs Jahr genau 20 Jahre später und nach weiteren CD-Coups, die sie etwa Gluck und Salieri widmete, ist die italienische Mezzosopranistin nun zu Vivaldi zurückgekehrt. Insgesamt zehn Arien aus neun Opern (darunter „Catone in Utica“, „Andromeda liberata“) hat sie mit dem Ensemble Matheus eingespielt, das sich im Gegensatz zu den damals noch vorrangig nach vorne preschenden Kollegen von Il Giardino Armonico nun als wahrer Quell der Farbschattierung und der Empfindsamkeit entpuppt. Und auch Dirigent Jean-Christophe Spinosi weiß an der Solo-Violine, wie man auf einem Atem mit Bartoli singt.
Das Spektakulärste an diesem neuen Album ist aber das einfach keine Verschleißerscheinungen aufweisende Stimm- und Temperamentwunder der Sängerin selbst. Als ob die letzten zwei Jahrzehnte mit einem Fingerschnips vorbeigegangen wären, befindet sich Bartoli immer noch auf einsamer Höhe, wenn es um die volle Koloraturen-Attacke, den aus dem Stand gezündeten Furioso-Turbo und die perfekt gestalteten wilden Haken geht (in der Arie „Se lento ancora il fulmine“ aus „Agrippo“). Und zwischendurch, in „Sol da te, mio dolce amore“ („Orlando furioso“), steigt sie mit feinsten vokalen Trippelschritten die Himmelsleiter hinauf, um sich mit der Traversflöte von Jean-Marc Goujon zu einem nachtigallhaften Liebesduett zu verbünden. Solche Momente verlockender Intimität lässt Bartoli genauso aus ihrer Kehle fließen und kullern wie eben all die gesangstechnischen Marterstrecken und Blitz- und Donner-Parcours.
Das alles ist ganz schön beeindruckend. Doch wie schon beim ersten Vivaldi-Album sind es gerade die extremen Ausdrucks-Pole, bei denen die Beherrschung der Gesangsmanieren dem musikalischen Kern dieser Arien – dem wirklich Bewegenden – verdeckend im Sonnenlicht steht. Schade zudem, dass im Gegensatz zur Vivaldi-Produktion von 1999 das Booklet neben seiner Bartoli-Fotostrecke offenbar keinen Platz mehr für ausführliche Werkkommentare gelassen hat.

Guido Fischer, 05.01.2019



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