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Nikolai Kapustin, Frederic Rzewski, Bernhard Lang, Roman Rofalski

The Kapustin Project

Roman Rofalski

Sony 1907587102
(72 Min., 2/2017)

Er fällt mit Lust zwischen die Stühle, jene der Klassik allemal. Der 1937 in der Ukraine geborene, in Moskau lebende Nikolai Kapustin war zunächst ein exzellenter Jazz-Pianist, Arrangeur und Komponist. Seit er freilich 1972 als Pianist zum Moskauer Rundfunkorchester unter dem experimentierfreudigen Dirigenten Gennadi Roschdestwenski kam, öffnete er sich mehr der Klassik. In Russland hatte er es nicht leicht, anderswo wusste man nie, wo man ihn einordnen sollte.
Der furchtlose und manuell ziemlich gut aufgestellte Berliner Künstler Roman Rofalski, wie Kapustin an den Tasten und vor dem Notenblatt tätig, erweist ihm jetzt als nonkonformistischer Klassiker Reverenz. Auf seiner ersten Soloaufnahme, „The Kapustin Project“, stellt Rofalski sowohl dessen kürzere, auf die Historie abhebenden Stücke wie Etüde, Prelude oder Toccatina als auch die raumgreifend komplexere Sonate Nr. 2 Werken von Kapustins Zeitgenossen wie Frederic Rzewski oder Bernhard Lang gegenüber, die auch perkussiv oder minimalistisch, mit barocken Anspielungen oder mit Improvisation arbeiten. Und die nicht selten extrem virtuos angelegt sind. Aber mehr noch: Rofalski lässt sich auch selbst schöpferisch vernehmen, mit gleich vier Werken, die auf so sprechende Namen wie „Bosporus“ oder „Trance Etüde“ hören. Dabei kommt einerseits stark die auch Kapustin auszeichnende Stilanlehnung an Schostakowitsch durch, aber bei Rofalski wirkt sie entschieden eklektizistischer. Eine schöne, feinen Kontext bietende Erinnerung freilich ist hier gelungen, die den Betrieb gemahnen sollte, mehr von Nikolai Kapustin zu spielen: Schließlich gibt es da, neben vielem anderen, 20 Klaviersonanten, sechs Klavierkonzerte und Konzerte für diverse andere Soloinstrumente sowie unterschiedliche Sammlungen von Variationen, Etüden, Preludien und Fugen zu entdecken.

Matthias Siehler, 22.12.2018



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