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Georg Friedrich Händel u.a.

Helden (Arien verschiedener Komponisten des 18. Jahrhunderts)

Andreas Scholl, Akademie für Alte Musik Berlin, Orchestra of the Age of Enlightenment, Roger Norrington

HMF/Helikon HMC 901685 bzw. Decca 466 196-2
(76 Min., 10/1998 bzw. 12/1998) 2 CDs, 2 versch. CDs

Im Zenit seines Erfolges warb seinerzeit Jochen Kowalski damit, eben keiner jener möglichst gerade und steril agierenden Kontratenöre englischer Schule, sondern ein Altus zu sein. Was grundsätzlich nichts anderes ist als ein männlicher Alt: Also eine Stimme, die Elemente des Femininen (Weiches, Vibrato-Getragenes) mit maskuliner Ausstrahlung auf möglichst natürliche Weise in eins zu bringen versucht.
Seitdem Kowalski vor allem mit Hilfe der “Schönen Müllerin” einen ernsthaften Anspruch auf künstlerische Seriosität und Glaubwürdigkeit verspielt hat, darf man Andreas Scholl getrost als seinen legitimen Nachfolger auf dem Popularitäts-Treppchen der Altisten feiern. Warum das so ist, demonstriert er nun gleich zwiefach: mit CDs bei seinem alten (Harmonia Mundi France) und bei seinem neuen (Decca) Vetrags-Label.
Unmanieriert, ohne jegliche gesangstechnische Mängel selbst in heiklen Belangen des Register-Ausgleichs und mit feinem Gefühl für vokalklangliche und gestalterische Nuancen verhilft Scholl hier barockem bis klassischem Repertoire zu wahrhaft glänzender Wirkung. Die Leistung der Akademie für Alte Musik Berlin ist dabei insgesamt vor allem deshalb überzeugender, weil sie Scholls gepflegtem Schönklang nicht so verfällt, wie Norrington und das Orchester der Aufklärungszeit es in der Decca-Aufnahme tun. Während Norrington nämlich auch das Orchester dem Primat des Sanglichen unterzuordnen scheint, geht es dem Berliner Alte-Musik-Ensemble, das sich obendrein auch ohne Solisten ausführlich präsentieren darf, um ein im instrumentalen Detail möglichst farbiges, bewegliches und differenziertes Begleiten.
Dass mir der Titel der “Helden”-CD von der Decca mitsamt ihrem sehr weiten programmatischen Spektrum allzu allgemein und platt erscheint, liegt indes möglicherweise nur an einem beruflich bedingten übersteigerten Purismus. Vergessen wir das also. Scholl muss man in beiden Fällen einfach hochschätzen - oder gar lieben.

Susanne Benda, 28.02.1999



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