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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



Von 1935 bis in sein Todesjahr 1968 hinein nahm der im Elsass geborene, in Straßburg und Paris ausgebildete Charles Munch mit verschiedenen französischen Orchestern und vielen namhaften Solisten für Warner auf. Dreizehn vollgepackte CDs mit einer weitgefächerten Werkauswahl sind das Vermächtnis dieses Ausschnitts seiner Tätigkeit.
Besonders wertvoll sind die Raritäten in dieser Box, sowohl hinsichtlich der Literatur als auch in puncto Soli: So ist etwa der 42-jährige Pierre Bernac mit der früher Bach zugeschriebenen Kantate „Meine Seele rühmt und preist“ zu hören (seit einem Bach-Jahrbuch-Artikel gilt das ehemals als BWV 189 bekannte Werk als unecht), und in dieser schönen Aufnahme zeigt sich die wenig vertraute lyrische Seite des Baritons, der sich ansonsten u. a. als Interpret von Poulenc-Liedern beinahe kabarettistisch präsentierte.
Unter den zahlreichen wenig bekannten Werken finden sich etwa das Violinkonzert von Ernest Bloch (mit Joseph Szigeti als Solist), Ernesto Halffters „Rapsodia portuguesa“ für Klavier und Orchester (mit Marguerite Long) oder Sinfonien von Dutilleux und Roussel: eine wahre Entdeckungsreise durch ein damals zeitgenössisches, heute aber aus dem Mainstream-Konzertbetrieb weitgehend ausgesondertes Repertoire.
Neben den schon genannten einstmaligen Stars führen Alfred Cortot, Jacques Thibaut oder André Navarra die Reihe der Solisten an; hinzu kommen heute weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler wie Odette Turba-Rabier, Charles Panzéra oder Joseph Benvenuti.
All die genannten Qualitäten machen gewisse Mängel in der orchestralen Präzision, die wir seit Karajan und seinem Perfektionsdrang nicht mehr zu hören gewohnt sind, mehr als wett. Durch die leichten Nebel einer veralteten Aufnahmetechnik hindurch wird unmissverständlich klar, dass Charles Munch einer der großen Dirigenten des früheren 20. Jahrhunderts war und mit vielen großen Künstlern seiner Zeit großartig musiziert hat.

Michael Wersin, 15.12.2018



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