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Georg Friedrich Händel

Orgelkonzerte 1 - 12

Paul Nicholson, Brandenburg Consort, Roy Goodman

Hyperion/Codaex CDA 67291/2
(153 Min., 5/1996, 6/1996) 2 CDs

Vor zweihundertfünfzig Jahren funktionierte der Musikkommerz schon genauso effektiv wie heutzutage, gehorchte der Geschmack der Massen schnell wechselnden Zeitgeisterscheinungen. Als Ende der 1730er Jahre Händels Opern in London aus der Mode gerieten, sattelte der findige Musikkapitalist flugs aufs Oratorium um – ebenfalls eine Gelegenheit, mit prachtvollen Chor- und geläufigen Solokehlen Eindruck zu machen.
Nur instrumentaler Virtuosenzauber hatte im sakralen Umfeld nichts verloren. Als Ausweg verfiel Händel darauf, als Abwechslung Konzerte für Orgel und Orchester anzubieten – Werke, die bis heute ihre Popularität nicht eingebüßt haben, die wir aber erst mit Paul Nicholson und Roy Goodman so richtig kennenlernen können. Während auf anderen Aufnahmen Westentaschenörgelchen (sogenannte Positive) vor sich hin piepsen, erklingt in dieser Produktion ein Instrument, an dem Händel nachweislich selbst musiziert hat. Hier zahlt sich die Originaltreue tatsächlich hörbar aus, denn statt aufdringlicher Klangkronen regiert sanfter Charme, und das ist eben nicht bloß authentisch, sondern auch musikalisch richtig: So kann die Orgel im Tutti berückend schön mit dem Orchester verschmelzen und bewahrt doch genug Kern für konzertierenden Kontrast.
Zudem verfügt das Gespann Nicholson-Goodman über die seltene Gabe, auch scheinbar Simples so überraschend auszulegen, dass man beim Hören mit dem erstaunten Nicken gar nicht so recht nachkommt: So muss diese Musik klingen – eine Referenzaufnahme!

Stefan Heßbrüggen, 28.02.1998



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