Zu seinen Schülern gehörten Beethoven, Schubert und der blutjunge Liszt. Und als Hofkapellmeister sorgte Antonio Salieri für einen regelrechten Opera buffa-Taumel in Wien. Doch wenn sein Name fällt, denkt man heute immer noch nicht unbedingt zuerst an den genialen Melodien-Erfinder und vielseitigen Opernbühnen-Arbeiter, dem vor vielen Jahren Cecilia Bartoli ein ganzes Album gewidmet hat. Obwohl tausendfach widerlegt, wird der Mozart-Bewunderer Salieri immer noch als berühmtester Königsmörder der Musikgeschichte behandelt. Irgendwie ist es daher auch kein Wunder, dass seine Werke weiterhin hinter seinem Ruf verblassen. Dabei hat nicht zuletzt der französische Operntrüffelsucher Christophe Rousset 2013 mit Salieris „Les Danaïdes“ gezeigt, dass der Italiener die antiken Sujets mit großem Feuer und Furor musikalisch in Szene zu setzen verstand. Nachdem Roussets erster Versuch, den Opernkomponisten Salieri zu rehabilitieren, nicht nachhaltig gefruchtet hat, versucht er es mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques nun ein weiteres Mal. Ausgeguckt hat sich Rousset diesmal die 1786 in Versailles mit geringem Erfolg uraufgeführte und rasch wieder in der Versenkung verschwundene Oper „Les Horaces“. Zugrunde liegt dem Dreiakter die gleichnamige Tragödie des französischen Radikal-Klassizisten Corneille, der hier die Feindschaft zwischen dem römischen Horatier-Clan und den Curatiern aus Alba anhand einer leider nicht mit Happy End endenden Liebesgeschichte behandelt. Im Mittelpunkt stehen da Camille, die Tochter des römischen Anführers Horace, und ihr angebeteter Ritter Curiace von der Gegenseite. Rousset hat die beiden tragenden Partien mit Judith van Wanroij und Cyrille Dubois – und damit zwei erstklassigen jungen Vokalisten – besetzt. Wobei im Grunde das gesamte Team inklusive dem Chor Les Chantres du Centre de musique baroque de Versailles der Star ist, der aus „Les Horaces“ packende und mitreißende Oper seria-Kunst macht.

Guido Fischer, 03.11.2018



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