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Georg Friedrich Händel

Rodelinda

Sophie Daneman, Daniel Taylor u.a., Raglan Barockmusiker, Nicholas Kraemer

Virgin/EMI 5 45277 2 
(172 Min., 2/1996) 3 CDs

Etwas ist faul am Hofe von Mailand: Der Thron ist von einem Fremden besetzt. Der rechtmäßige König musste fliehen und Frau und Kind zurücklassen. In der Verbannung streut er systematisch die Nachricht aus, dass er bereits gestorben sei - mit dem Ergebnis, dass der Eroberer seine Frau bedrängt, ihn zu heiraten. Sie ist die Titelheldin in Händels Oper “Rodelinda”, einem Werk, das bereits bei seiner Uraufführung im Jahre 1725 außerordentlich erfolgreich war und neben “Giulio Cesare” oder “Alcina” zu den bedeutendsten musiktheatralischen Werken Händels gehört.
Wie bei den meisten Barockopern ist es schwer, im Rahmen einer Gesamtaufnahme Bühnenatmosphäre zu vermitteln. Der ständige Wechsel von Rezitativ und Arie langweilt leicht - auch wenn der Komponist das starre Schema streckenweise durch fantasievoll gestaltete Accompagnato-Rezitative durchbrochen hat. Den Interpreten dieser Einspielung gelingt es kaum, dem Drama echtes Leben einzuhauchen. Bis auf wenige Ausnahmen will sich kein dramaturgischer Spannungsbogen einstellen.
Nur einige Dreh- und Angelpunkte der Handlung lassen wirklich aufhorchen - etwa wenn der böse Thronbesetzer sich selbst in den Schlaf singt, von seinem falschen Verbündeten angegriffen, dann aber von Rodelindas Ehemann, dem rechtmäßigen König, gerettet wird. Das Ehrgefühl siegt - der Tyrann gibt auf.
Das Orchester spielt diszipliniert, aber ohne Ecken und Kanten. Die Arien mit ihren vielschichtigen Ausdrucksebenen entschädigen streckenweise für die Armut an Höhepunkten. Besonders ist hier die seconda donna Catherine Robbin in der Rolle der Eduige zu erwähnen. Die Hauptdarstellerin Sophie Daneman überzeugt bestenfalls, wenn die Tonsprache etwas leidenschaftlicher wird - auch hier zeigt sich eine gewisse Überforderung in der Höhe; in den langsamen Stücken könnte man dagegen sogar von Blutarmut sprechen. Der Kontratenor Daniel Taylor enttäuscht als viel zu verhaltener Bertarido vor allem in der Auftrittsarie “Dove sei” - dem bekanntesten Stück der Oper. Auch bei ihm taut aber in virtuoseren Partien das Stimmvolumen auf. Fazit: Eine Aufnahme, der bei vielen schönen Stellen und braver Musizierkultur der Biss fehlt.

Oliver Buslau, 30.04.1998



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