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Maurice Ravel, Henri Duparc

„Aimer et mourir“ (Danses et mélodies)

Magdalena Kožená, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati

Linn/Note 1 CKD 610
(60 Min., 12/2017)

„Aimer et mourir“, der aussagekräftige Titel dieser CD, ist ein Zitat aus Charles Baudelaires symbolistischem Gedicht „L’Invitation au voyage“, dessen ungemein atmosphärische Vertonung zu den wenigen überlieferten Werken von Henri Duparc (1848-1933) gehört. Duparc hat sich gemeinsam mit Fauré und Debussy nachhaltig für eine genuin französische Musiksprache eingesetzt; dennoch ist sein Stil gleichzeitig vom „wagnérisme“ geprägt, dem sich viele französische Komponisten jener Zeit trotzt ihrer Ressentiments gegen Deutschland nicht ganz entziehen konnten. Dieser delikate Grenzgang macht unter anderem den ungeheuren Reiz von Duparcs wundervollen Liedkompositionen aus. Magdalena Kožená, die auf dieser CD mit den Orchesterfassungen von vier jener Gesänge zu hören ist, vermag eine Menge von der Melancholie und vom Charme dieser Stücke zu vermitteln; weniger als in ihrer vor einiger Zeit auf CD erschienenen Umsetzung der Mélisande in Debussys berühmter Oper nach Maeterlinck neigt sie hier zum „overacting“, sondern erfüllt stattdessen über weite Strecken einfach die großen Melodiebögen mit dem ansprechenden Timbre ihres Mezzosoprans zum Leben. Mit der französischen Sprache geht sie dabei sehr idiomatisch um.
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, der Hauptakteur dieser CD, begleitet unter der Stabführung von Robin Ticciati nicht nur perfekt, sondern brilliert auch in den Orchesterwerken des Programms: Allen voran ist Duparcs selten zu hörendes sinfonisches Poem „Aux étoiles“ zu nennen, in dem mit berührender Intensität die Schönheit einer sternenklaren Nacht beschworen wird. Programmatisch mag man dieses Kleinod als Gegenstück betrachten zum Sonnenaufgangsszenario am Anfang der zweiten „Daphnis et Chloё“-Suite Ravels, die die Folge der Werke eröffnet – freilich ist Ravels Tonsprache viel impressionistischer und harmonisch avancierter als diejenige von Duparc. Und während das Orchester Duparcs Sternennacht gerade mittels Auskostung ihrer innigen Schlichtheit zum Erlebnis zu machen versteht, begeistert es bei Ravel durch die überzeugende Entfaltung des ausdifferenzierten Klangspektrums dieser zauberhaften Partitur.

Michael Wersin, 29.09.2018



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