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Tonadas

Julian Argüelles

Edition/H’art – Membran EDN 1116
(55 Min., 11/2017)

Man kennt den Saxofonisten Julian Argüelles als Mitglied der legendären Loose Tubes, als ehemaligen Angestellten der hr-Bigband oder als Mitarbeiter von Größen wie Dave Holland, Kenny Wheeler oder Carla Bley. Aber der Brite hat nicht nur ein Herz für alle Spielarten des modernen Jazz, sondern auch – frei nach Chick Corea – ein „Spanish heart“.
Dieses lässt der Sohn einer katalanischen Mutter mit seinem Quartett Tetra auf „Tonadas“ hörbar laut schlagen. Und zwar in den charakteristischen Rhythmen der spanischen Musik. In „Bulerías“ etwa emuliert die Rhythmusgruppe um Bassist Sam Lasserson und Schlagzeuger James Maddren den eigentümlichen Groove der zwölfschlägigen Flamenco-Form Bulería; in „Alegrías“ ahmt Lasserson das für den Alegría-Stil charakteristische Händeklatschen mit einem Klopfen auf den Korpus seines Basses nach.
Argüelles' Musik, die von gesanglichen Melodielinien lebt, mag viel Folkloristisches in sich tragen, naiv ist sie aber keineswegs. Atemberaubende Unisoni, skurrile Verkantungen (wie in dem an Monk gemahnenden „Barrio Gotico“) oder technische Virtuosität (man höre beispielsweise den per Zirkularatmung erzeugten Saxofon-Orgelton im hitzeflimmernden „Tonadilla“) bestimmen die formal streng konzipierten Kompositionen.
Zur bestechenden Symbiose zwischen kammermusikalischer Genauigkeit und spanischer Ausgelassenheit werden sie dank der hervorragenden solistischen Leistungen von Argüelles an Tenor- und Sopransaxofon und Phronesis-Pianist Ivo Neame. Während Ersterer muskulös und gedankenschnell agiert wie ein Stierkämpfer, schafft Letzterer detailreich wildwuchernde Klangskulpturen, die an die Fassade der Sagrada Família erinnern. Beeindruckender und mitreißender Paneuropa-Jazz.

Josef Engels, 25.08.2018



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