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Aerea

Henning Sievert, Symmethree

Pirouet/NRW Vertrieb PIT3101
(52 Min., 9/2016)

Ist das Jazz? Oder neue Kammermusik? Oder beides? Oder ganz was anderes? Gleichgültig, wie die Antwort auf diese Frage ausfällt: Der Kontrabassist und Cellist Henning Sieverts, der Posaunist Nils Wogram und der Gitarrist Ronny Graupe haben mit den zehn Titeln von „Aerea“ Musik aufgenommen, die fasziniert, dank ihrer Fülle an Melodien angenehm zu hören ist und kompositorisch weiter geht, als dies im Jazz gemeinhin üblich ist. Unter anderem formen sie das Motiv von Duke Ellingtons „In A Sentimental Mood“ so um, dass man „In A Symmetrical Mood“ einzelne Tonfolgen aufwärts oder abwärts spiegeln kann. Völlig anders haben sie „Twenty One“ konzipiert. In diesem 21-Achtel-Takt legen sie sieben Figuren mit drei Achteln über drei Figuren mit sieben Achteln und erzeugen so ein verblüffendes, sanft pulsierendes Geflecht von rhythmischen Reibungen, wobei eine der Grundbewegungen vage an Pat Methenys „Are You Going With Me“ erinnert. Ein anderes intellektuelles Kunststück ist, wie souverän sie in „Attya“ die B-A-C-H-Reihe und die Akkorde des Jazzstandards „All The Things You Are“ überlagern und ihre Einzelstimmen trotz unterschiedlicher Tempi wunderbar ineinanderfügen. Bei all dem fasziniert die stets wandlungsfähige, unterschiedliche Spieltechniken verwendende Intonation von Posaune, Kontrabass beziehungsweise Cello und Gitarre. Zudem prägt eine coole, entspannte Grundhaltung das gesamte Album – fast so, als hätten sie das Ziel gehabt, eine moderne Fortsetzung des Jazzklassikers „Chico Hamilton Quintet Featuring Buddy Collette“ aus dem Jahr 1955 einzuspielen.

Werner Stiefele, 18.08.2018



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