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Prismatic Colours

Volker Engelberth

Unit Records/H’art Membran UTR 4845
(56 Min., 9/2017)

„Kaleidoskop“ oder „Jigsaw Puzzles“, „Prismatic Colours“: Der Pianist Volker Engelberth hat eindeutig ein Faible für programmatische Plattentitel, die seiner Kompositionskunst (ursprünglich fürs Trio-, mittlerweile fürs Quintett-Format) bildhafte Assoziationsräume öffnen. Seine jüngste Aufnahme macht da keinen Unterschied: Mit den Grundfarben „Red“, „Yellow“ und „Blue“ als Kapitelüberschriften ist Engelberths neunteilige Suite auf seinem inzwischen vierten Album als Leader unterteilt.
Man kann sich gerne Gedanken darüber machen, inwiefern die Musik des gebürtigen Rheinländers mit dem in den Stücktiteln skizzierten Farbverlauf von „Red-Orange“ über „Green“ bis hin zu „Purple Red“ korrespondiert. Warum ist „Red“ nicht aggressiv, sondern geradezu elegisch, mit einem debussyhaften Klavier und Bläsern (Bastian Stein an Trompete und Flügelhorn, Alexander „Sandi“ Kuhn am Tenorsaxofon) wie aus der Kirche? Weshalb ist „Orange“ trotz seines treibenden Grooves (für den Bassist Arne Huber und Schlagzeuger Silvio Morger verantwortlich zeichnen) so traurig? Wieso perlt „Orange-Yellow“ nicht wie Limonade auf Eis, sondern kitzelt grell die Sinne mit einer uhrwerkartig ineinander greifenden Melodiemechanik?
Man merkt: Das Plakative ist Engelberths Sache nicht. Der Schüler von John Taylor, Hubert Nuss und Frank Chastenier, von denen er offenbar jeweils den Sinn für die poetische Reduktion, bedeutungsoffene Akkorde und Traditionsbewahrung übernommen hat, ist vielmehr ein junger Meister der Ausgewogenheit. Seine Melodien im Geiste von Trompetern wie Kenny Wheeler oder Tom Harrell drängen sich nicht auf, sondern bleiben irgendwo im Unterbewusstsein hängen wie eine verdrängte bedeutsame Erinnerung. Seine Kompositionen wirken stets behutsam durchdacht mit punktgenauen Entscheidungen, wann wo wer hinzutritt oder wegbleibt, und lassen dennoch genügend Platz für die Unplanbarkeit des solistischen Ausdrucks. Streng genommen durchwandert Engelberth auf „Prismatic Colours“ auch nicht brav das Farbspektrum mit einem flächig-impressionistischen Ansatz, sondern zeigt sich eher als Zeichner, der mäandernde Linien und dreidimensionale Figuren mit sicherem Strich aufs Trommelfell zaubert. Den Rest muss man sich selber ausmalen.

Josef Engels, 18.08.2018



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