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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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The Music In My Head

Michael Franks

Shanachie/in-akustik 0355459
(53 Min.)

„Rock-Musik für denkende Menschen“ wurden Michael Franks Lieder in den 1970er Jahren genannt. Heutzutage würde man wohl eher von „Easy Listening“ oder „Smooth Jazz“ sprechen. Was aber eine Unverschämtheit wäre gegenüber den sanften Kompositionen des Mannes mit der zerbrechlichen Stimme, die ihren Widerhall in dem Gesang von Interpreten wie Arto Lindsay oder Till Brönner gefunden hat.
Sicher: Auch auf „The Music In My Head“, Franks' erstem Album nach siebenjähriger Funkstille, finden sich oberflächlich betrachtet keinerlei Kanten. Mit der Ausnahme des wie ein ferner Gruß aus den 1980er Jahren wirkenden Shuffles „The Idea Of A Tree“ und der swingenden Jazzclub-Hommage „Bebop Headshop“ bewegt sich der Sänger mit seinen neuen Stücken in den angenehm warmen Wellen der Bossa Nova und artverwandten brasilianischen Spielarten. Studiofeingeister wie Keyboarderin Rachel Z., Bassist Jimmy Haslip, Pianist Gil Goldstein oder Gitarrist Chuck Loeb mit einer seiner letzten Auftragsarbeiten sorgen für die angemessen heruntergedimmte Begleitung und Arrangements, die trotz gelegentlicher Synth-Streicherflächen das Akustisch-Zeitlose bevorzugen.
Diese zutiefst unaufgeregte Basis bildet den perfekten Einbettungsrahmen für Franks Texte, die subtil das Verhältnis des Sängers zur Natur, zur überhitzten Gegenwart und zur Vergangenheit beleuchten. Wenn Franks in „Suddenly Sci-Fi“ davon singt, dass die Patienten im Irrenhaus die Leitung übernommen haben, mag man Parallelen zur gegenwärtigen Führung in den USA entdecken; wenn er in „Candleglow“ über fürsorgliche Maschinen sinniert, die unser Leben überwachen und uns doch nicht die Angst nehmen können, darf man sich durchaus an die Allmacht von Smartphones und der sozialen Medien erinnert fühlen.
Doch besonders stark ist Franks, wenn er sich dem Kleinen im Großen widmet. Dem mächtigen Iguazu-Wasserfall an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien raunt er etwa im Album-Finale „Waterfall“ leise zu, dass er einmal nichts anderes war als ein kleiner Regentropfen, geboren im Blütenkelch einer Orchidee. Gerade umgekehrt verhält es sich mit Franks: Er ist ein unterschätzter Riese in der stimmlichen Gestalt eines schmalbrüstigen Hänflings. Möge er es verzeihen, dass man seine Musik mal wieder nur als gemütsberuhigenden Abschluss für laue Sommerabende missbraucht.

Josef Engels, 04.08.2018



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