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Nightconcert

Erroll Garner

Mack Avenue/in-akustik 0321142
(80 Min., 11/1964)

Mit dem „Concert By The Sea“ schrieb das Trio von Erroll Garner Jazzgeschichte. Dass dieses entspannte Konzert keine Ausnahme war, belegt der Mitschnitt aus dem Amsterdamer Concertgebouw vom 7. November 1964: Auch hier bewähren sich der Pianist Garner, der Kontrabassist Eddie Calhoun und der – gegenüber dem Klassiker ausgewechselte – Schlagzeuger Kelly Martin als Magier, die genau wissen, wie sie ihr Publikum um den Finger wickeln.
Die Zauberwirkung beginnt damit, dass Garner den Stücken üppige Einleitungen voranstellt, die sein Publikum zunächst ratlos lassen, was er nun wohl spielen wird. Wenn sich daraus – oft erst im zweiten Chorus – das Thema schält, brandet der Applaus der Erleichterung und des Erkennens auf. Ist das Thema erst mal vorgestellt, tanzen Garners Finger über die Tasten, verdichten und entspannen das Material, setzen Akkorde gegen Läufe und Kraftvolles gegen Zurückhaltendes. Garner leitet – vom mit eigenen Figuren aktiven Bass und Schlagzeug getragen – aus dem Thema Dutzende von Variationen ab, wobei dessen Kern aber trotz allen Ausschmückungen und Umwandlungen präsent bleibt.
Nahezu das gesamte Repertoire der mit knapp 80 Minuten randvollen Disc zählt zu den Standards des Jazz. Dabei gibt es kaum Überschneidungen mit dem „Concert By The Sea“ – weder in der ursprünglichen Kopplung noch in der um Bonustracks ergänzten Edition aus dem Jahr 2015. Gemeinsam ist ihnen die lockere Atmosphäre und die Tatsache, dass sie aufnahmetechnisch nicht zu den Meisterleistungen zählen. Aber der stumpfe Flügelklang, die Nebengeräusche und das Bandrauschen werden völlig unwichtig, sobald einen die Musik gefangen hat. Die zählt zu den Highlights des unterhaltsamen, dabei musikalisch abwechslungsreichen und virtuosen Jazz. Das „Nightconcert“ gehört zu jenen Aufnahmen, bei denen man sich wünscht, am betreffenden Abend im Saal gewesen zu sein.

Werner Stiefele, 04.08.2018



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