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Enemy

Enemy

Edition Records/Membran EDN 1112
(44 Min., 10/2016)

„Enemy“ ist radikal anders. Das klärt Frans Petter Eldh mit der vertrackten Kontrabasseinleitung, und die rhythmischen Verschiebungen des Schlagzeugers James Maddren sowie die ersten harschen Klaviertakte von Kit Downes unterstreichen diesen ersten Eindruck. Sie schleppen, sie ziehen, sie rennen, sie trödeln, und das alles hat im ersten Titel „Prospect Of K“ seinen Sinn. Ähnlich komplex geht es den meisten Titeln der dreiviertelstündigen Disc mit plötzlichem Tempo- und Rhythmuswechsel, Stop and Gos, anziehender und nachlassender Intensität.
Enemy ist traditionsbewusst. Das Trio setzt da an, wo das Esbjörn Svensson Trio nach dem Tod des Bandleaders 2008 aufhören musste. Wie die drei Schweden schert sich Enemy keinen Deut um die Tradition der swingenden Klaviertrios und schafft mit wilden Rhythmen, Rockeinflüssen und gelegentlichem Einsatz von Electronics einen eigenen Bezugsrahmen. Dabei bringt Frans Petter Eldh in „Race Of The Sun“ kurz einen Elektrobass ins Geschehen, und in „Brandy“, „Low Hanging Fruits“ und „Children With Torches“ kommt sein Faible für zurückhaltend eingesetzte Electronics zum Einsatz. Zudem sind in „Brandy“ Anklänge an ein Vibrafon und in „Ruster“ an eine Country-Gitarre zu vernehmen.
Enemy spielt virtuos. Das atemberaubende Tempo der Schlagfolgen, wieselflinke Klavierläufe, federnd getupfte Themenvariationen, die ineinander verschränkten Rhythmen im Klavierspiel und in der Band, die trotz aller Vehemenz sorgfältig abgestufte Dynamik, das Hin und Her zwischen brachialer Kraft und filigranen Momenten: Das alles klingt so unangestrengt und selbstverständlich, dass man als Hörer völlig vergisst, dass sich zuvor Arme, Beine, Hände, Finger und Gedanken bewegen mussten, um eine derart vielschichtige Musik zu erzeugen.
Enemy ist ein Feind – und zwar all derer, die meinen, die musikalische Entwicklung der Klaviertrios sei abgeschlossen. Sie bringen neue, frische Akzente ins Geschehen und integrieren wohldosiert, was sich außerhalb der Grenzen des swingenden Jazz ereignet. Das zu hören, ist ein Vergnügen.

Werner Stiefele, 28.07.2018



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