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Christoph Willibald Gluck

Orfeo ed Euridice (Neapel 1774)

Philippe Jaroussky, Amanda Forsythe, Emöke Barath, Chor des Schweizer Rundfunks, I Barocchisti, Diego Fasolis

Erato/Warner 90295707941
(78 Min., 9/2016, 7/2017)

Es ist passiert. Euridice ist tot. Und was macht Orfeo gleich zu Beginn von Glucks „Orfeo ed Euridice“? In aller Verzweiflung schreit er ihren Namen regelrecht hinaus und zerschneidet damit den heiligen Trauerchor „Ah! Se intorno“, mit dem dieses Menschen- und Liebesdrama beginnt. Wer die eher aus der tiefsten Seele gestalteten „Euridice“-Lamenti noch im Ohr hat, mit denen bisher „Orfeo“-Sänger(innen) ihr Leid beklagt haben, wird daher nun mächtig aufgeschreckt. Von Countertenor Philippe Jaroussky, der in der Rolle des mythischen Ursängers hier weniger auf Wohlklang, sondern auch mit gleißenden, herausgestoßenen Spitzentönen auf unmittelbare Schockwirkung setzt.
Was als dramaturgischer Kniff daherkommt, kehrt aber im Laufe der Gesamtaufnahme der neapolitanischen Fassung aus dem Jahr 1774 erstaunlicherweise immer wieder modifiziert zurück. Jaroussky macht mit seiner nie zur Ruhe und in Balance geratenen Stimme klar, dass er bzw. sein „Orfeo“ sich in einem einzigen Ausnahmezustand befindet. Leider berühren selbst solche Ohrwürmer-Arien wie „Chiamo il mio“ und „Che farò senza Euridice“ dadurch so gar nicht. Zumal Jaroussky im Gegensatz zu seinen bisherigen „Orfeo“-Beschäftigungen aus dem Barockrepertoire nun das Empfindsame durchweg gegen das bisweilen Hysterische eintauscht. Wie ein Fremdkörper wirkt er daher auch innerhalb des gesamten Musikerstabes. Amanda Forsythe als „Euridice“ und Emöke Barath als „Amore” lassen vielmehr lyrische Farben erblühen und dahinfließen, wie man es vom Franzosen unbedingt erwartet hätte. Und neben dem Alte Musik-Ensemble I Barocchisti, das mit dem Dirigenten Diego Fasolis gerne auch in Klangzauberwelten entfleucht, ist der eigentliche Star der Aufnahme der sich in innigem Atem verlierende Chor des Schweizer Rundfunks.

Guido Fischer, 28.07.2018



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