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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Sfumato (Live in Marciac)

Emile Parisien Quintet

ACT/Edel 1060212ACT
(56 Min., 8/2017)

Festivalauftritte mit Gästen haben ihre Eigenheiten. Zum einen ist das Publikum weniger konzentriert als im Konzertsaal, zum anderen müssen die Musiker die gewohnten Arrangements für ihre Gäste aufbrechen und erweitern. Dies kann zu Sternstunden führen, muss es aber nicht zwangsläufig. Letztlich unterscheidet sich das Gruppengefühl von Band und Publikum im fünftausend Gäste fassenden Festivalzelt von der Situation an der heimischen Anlage, sei es beim Hören der CD oder beim Betrachten der drei zusätzliche Titel umfassenden DVD. Lange Vorrede, kurzer Sinn: Beiden Aufzeichnungen fehlt das Prickelnde des unmittelbaren Erlebens im Konzert. Vor allem auf der CD werden Unschärfen und Zögern spürbar, die beim Betrachten des Mitschnitts oder gar im Zelt aus der Situation erklärbar werden.
Das Repertoire überlappt sich weitgehend mit dem 2016 erschienenen Studioalbum „Sfumato“; allerdings wirken die Interpretationen weitaus weniger spritzig und präsent. Das mag dem Umstand der schlechteren Mikrofonierung und der lascheren Abmischung geschuldet sein. Zum Teil mag es auch daran liegen, dass die Kernbesetzung, bestehend aus dem Sopransaxofon spielenden Bandleader, dem Pianisten Joachim Kühn, dem Gitarristen Manu Codjia, dem Kontrabassisten Simon Tailleu und dem Schlagzeuger Mário Costa, um den Bassklarinettisten Michel Portal als sechstem Mann ergänzt wurde und sein Part hinzuarrangiert werden musste.
Letztendlich rechtfertigt dies allein keine Neuveröffentlichung, und auch die zeitweilige Mitwirkung des Akkordeonisten Vincent Peirani brachte keine neue Qualität. Entscheidend ist, dass mit Wynton Marsalis einer der besten lebenden Jazztrompeter auf die Bühne kam. Mit ihm ist der in Marciac aufgewachsene Parisien schon seit mehreren Jahrzehnten befreundet, denn Marsalis richtet als Dauergast des Festivals jährlich Workshops aus. Zunächst vergnügen sich Marsalis, Parisien und Peirani mit dem „Temptation Rag“, und anschließend lässt sich Marsalis in Joachim Kühns Komposition „Transmitting“ auf einen Crossover aus Free Jazz, Fusion und pulsierendem europäischem Jazz ein. Auf der DVD ist zu beobachten, wie der als urkonservativ verschrieene Marsalis den Free-Mann Kühn mit einer längeren Zirkuläratmungspassage und Klangspielereien beeindruckt. Das macht den Live-Mitschnitt zum überzeugenden Dokument, dass die musikalischen Lager überwunden werden können, sobald Musiker miteinander musizieren.

Werner Stiefele, 14.07.2018



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